Julian Stahnke

23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign


am späten Abend
am Mittwoch, 11. Juni 2008

5, 6, 7

Geschrieben in London
ohne Kommentare

Eight Cellos at Purcell Room

Am 27. April waren Georg und ich zusammen im Purcell Room des Southbank Centres, um uns dort Rohan de Saram und das Cello-Ensemble Endymion anzuhören.

Da ich vorher noch nie auf einem Cellokonzert war, wusste ich nicht so recht, was mich erwarten würde. Umso überraschter war ich dann, als ein südländischer älterer Herr erschien, der sich – wie es schien – geradewegs vom Strand auf die Bühne verirrt hatte. Nachdem meine Augen sich an das blended weiße Baumwollhemd gewöhnt hatten, konnte ich jedoch erkennen, dass besagter Herr ein Cello in den Händen trug. Schnörkellos begrüßte er uns dann auch sogleich, sprach noch ein paar Worte über das Stück, welches er spielen wollte, und setzte sich dann. Auf dem Stuhl sitzend, rückte er dann routiniert noch ein wenig hin und her, die beste Position suchend, um den Stachel seines Cellos zwischen die Holzbretter des Bühnenbodens zu drücken. Schließlich hatte er sich und sein Cello vielversprechend in Position gebracht und feuchtete seinen Daumen an, um das Notenheft aufzuschlagen – als er plötzlich wieder abbrach, aufstand und mit einem Schmunzeln verkündete: »Eine Sekunde, ich habe meine Brille vergessen!«

Dann ging’s aber los. Und wie. Wer wissen möchte, was man mit einem Cello so alles anstellen kann, sollte ich mal mein Lieblingsstück des Abends anhören: Kottos, ein Solo für Cello, das sich irgendwo zwischen Erdbeben und der Musik zu Super Mario einpendelt.

Natürlich hat der gute Rohan nicht die ganze Zeit alleine gespielt. Zwischendurch holte er sich bis zu sieben weitere Cellos und einen Dirigenten mit auf die Bühne, um so Stücke wie Steve Reichs Cello Counterpoint zu spielen. Auch ein sehr gutes Stück.

Ich würde nicht unbedingt jeden Tag in ein Cellokonzert gehen, aber ab und an kann man das durchaus mal machen.

Pierre Boulez/LSO im Barbican

Am 30. April war ich mit Jens im Barbican, wo sich Pierre Boulez (sehr sympathisch) und das London Symphony Orchestra die Ehre gaben. Wer nun ernsthaft etwas über die musikalische Qualität dieses Konzertes erfahren möchte, sei an das von mir höchst geschätzte Intermezzo verwiesen. Der freundliche Schreiberling dort kennt sich deutlich besser mit der Materie aus, als ich es jemals vorgeben könnte.

Den Anfang machte Béla Bartóks Konzert für zwei Klaviere, Schlagzeug und Orchester. Sehr lustig war es, einmal zwei Klaviere auf einer Bühne zu sehen – sie standen spiegelverkehrt gegeneinander und drängten das Orchester sehr zusammen. An einem saß ein Mann, am anderen eine Frau. Einen geschlechtsbedingten Unterschied in der Spielweise konnte ich nicht erkennen. Das Konzert selbst war auch ganz gut.

Als nächstes waren Schönbergs Fünf Stücke für Orchester an der Reihe, gefolgt von Stravinskys Chant du rossignol, wobei mir persönlich die Fünf Stücke für Orchester besser gefielen. Den Abschluss machte dann einige von Boulez’ eigenen Kompositionen, Notations I, II, III, IV, VII – auch das gefiel sehr gut. Notation II wurde dann als Zugabe noch ein zweites Mal gespielt – die erste Zugabe, die ich bei einem klassischen Konzert erlebt habe.

Artist Portrait: Midori (Recital at LSO St Luke’s)

Am 8. Mai spielten, nur zehn Minuten vom Büro entfernt in der Kirche St. Luke’s, Midori und Charles Abramovich. Da durften Jens – selbsternannter größer Midori-Fan aller Zeiten – und ich selbstverständlich nicht fehlen. Das Konzert fing im Okay-Bereich an und wurde vor der Pause dann mit Krzyzstof Pendereckis Violinsonaten Nr. 2 (Tracks Nr. 8–12 beim Link) richtig gut.

Nach der Pause allerdings fiel alles erstmal ein wenig ab, was nicht nur an den zunehmend unbequemeren Stühlen lag; Christian Masons Efflorescence war einfach überhaupt nicht nach meinem Geschmack. Es wurde dann allerdings immer besser, um am Ende mit einigen ausgewählten Sätzen von John Adams’ Road Movies einen schönen Abschluss zu finden.




Anderswo zu empfehlen

Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.

Reisetagebücher

Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004

Das zufällige Zitat

»Wenn ein Mann einer Frau die Autotür öffnet, ist entweder die Frau oder das Auto neu.«

Henry Ford

Die Information, die so wichtig ist, dass sie ganz unten steht

Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.

© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke

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