23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign
Ich war ja gestern in Mainz. Dort wollte ich mich bei einer Veranstaltung über die FH Mainz und den Fachbereich »Medien-Design« informieren. Hingekommen bin ich mit der Bahn. Fünf Stunden pro Fahrt ergaben eine Abfahrtszeit von 7.44 Uhr, damit ich früh genug da sein und noch einen Happen essen konnte. Um 19.20 Uhr sollte es dann wieder zurück gen Bremen gehen.
Das ganze teile ich mal in zwei oder drei Teile auf, weil’s sonst einfach zu lang wird und ich keine Lust habe, den ganzen Tag tippend vorm Computer zu sitzen.
Das erste Problem, das bewältigt werden wollte, war das frühe Aufstehen. Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Fan davon bin. Unter Zuhilfenahme von drei Weckern schaffte ich es aber doch, Punkt sechs aufzustehen. Draußen war es noch dunkel, und drinnen brannte die Glühbirne meines Deckenfluters durch.
Unter der Dusche passierte mir dann ein Fauxpax, den man sonst nur aus der Werbung kennt: Das erste Mal in meinem Leben kam mir Shampoo ins linke Auge. Dieses »ziepte« nicht, nein, es brannte daraufhin, so dass es auch noch einige Probleme mit den Kontaktlinsen gab. Schließlich konnte ich die linke Linse aber dennoch in das sehr unwillige Auge hineinzwängen.
Nach dem üblichen morgendlichen Rumgetüdel (was man so macht), schmierte ich mir sechs Scheiben Brot – von denen ich zwei aß, obwohl ich keinen Hunger hatte – und machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Die ganze Autofahrt lang war ich ein wenig besorgt, den Zug zu verpassen. An dieser Stelle verstand ich auf einmal den Herrn Richter, der vor Jahren mal ein wenig verspätet zum Unterricht kam und sich über die Leute aufregte, die in der 50er-Zone auch wirklich 50 fahren. Letztlich erreichte ich den Zug doch noch – auch dank eines kleinen Zwischenspurtes von der hintersten Ecke der Bürgerweide aus.
Im Zug saß ich in einem Panorama-Wagen (der Vermerk »d)« auf dem Zettel mit den Reiseverbindungen), man konnte also gut zum Fenster heraus schauen. Es geschah dann eigentlich nichts Besonderes. Die Leute stiegen ein und aus, aßen, schliefen und gingen wohl zwischendurch auch mal zur Toilette. Mittendrin konnte ich durch meine einmalige Begabung, mit den Ohren zu wackeln, tatsächlich ein kleines Kind zum Lachen bringen. Nun darf ich behaupten, mit Kindern umgehen zu können.
Im Laufe der Fahrt schaffte ich es in einem rauschartigen Anfall, »Die wilde Geschichte vom Wassertrinker« zu Ende zu lesen, selbst aber nur einen halben Liter aus meiner Flasche Vilsa zu trinken. Trotzdem ein sehr empfehlenswertes Buch. Als ich fertig war, fühlte ich mich nicht danach, noch etwas zu lesen oder Musik zu hören. Also starrte ich aus den Fenster und guckte mir den Ruhrpott an.
Der Ruhrpott, musste ich bemerken, ist gar nicht so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Ich dachte immer, alles am Ruhrpott wäre hässlich und dreckig. Heruntergekommene Reihenhäuser, überall still gelegte Zechen, grauer Himmel und auf allem eine dünne Schicht Kohlestaub. Das einzige, womit ich richtig lag, war der graue Himmel. Sonst sah eigentlich alles aus wie überall. Nach dem Osterhasen und dem Weihnachtsmann wieder ein Kindheitstraum weniger. Enttäuschung pur.
Dann lauschte ich den Gesprächen der Leute. Wenigstens ein paar Worte berühmten Ruhrpott-Schnack erhaschen. Auch hier ließen mich meine Mitreisenden, selbst die in Essen oder Dortmund zugestiegenen, völlig im Stich. Das einzig interessante war eine Unterhaltung über Altenpflege. Und das auch nur, weil ich mich ein wenig damit solidarisieren konnte. (Zivildienst und so.) Kohlekumpels hatte es hingegen keine.
So kann ich abschließend also sagen, dass die Hinfahrt quasi eine völlig normale Zugfahrt war. Sogar – darauf habt ihr doch gewartet – mit 30 Minuten Verspätung, etlichen »Wir bitten vielmals um Entschuldigung!« des Lokführers und einigen verpassten Anschlusszügen.
Aber ich musste ja nicht umsteigen. Ich kam wohlbehalten in einem Stück in Mainz an.
Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.
Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004
»Eine deutsche Revolution. Also keine.«
Alfred Döblin
Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.
© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke
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