23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign
Gehen wir mal von einer erfundenen Person aus. Nennen wir diese erfundene Person einmal Bob. Und reden wir mal über den Sonntag, wie Bob ihn verlebt hat.
Bobs Sonntag fing für ihn morgens um 9.34 Uhr an. Bis um 3.30 Uhr war für ihn noch Samstag und die Welt in Ordnung, die nächsten sechs Stunden verbrachte er komatös im Niemandsland. So ruhte sein Geist glücklich bis um 9.33 Uhr. In seinem Körper aber brodelte es, wie er ab 9.34 Uhr feststellen konnte.
Am Tag zuvor war Bob auf einer Party. Irgendeine Party, vielleicht die Einweihungsparty einer Wohnung. Gar nicht weit von ihm entfernt; sagen wir mal rund 20 Minuten zu Fuß. Bob geht gerne Spazieren, genießt die frische Luft und körperliche Betätigung. Außerdem trifft er auf ausgedehnten Spaziergängen manchmal lustige Leute und kommt an interessanten Gebäuden vorbei.
Bob hatte sich also am Samstag um 21.00 Uhr abends auf den Weg zur Party gemacht. Nach einigen Verirrungen (Bobs Orientierungssinn ist nicht der beste) kam er schließlich um 21.25 Uhr an und hatte einen schönen Abend. Natürlich floss in dieser Nacht auch der eine oder andere Tropfen Alkohol.
Bob lernte, Beck’s-Flaschen mit Feuerzeugen aufzumachen. Er übte sich darin, Paulaner einzugießen. Er trank seinen Wein nicht mit Käse, sondern mit Hannah und ihrem Gummibärenvorrat. Anil zeigte Bob, wie man einen Screwdriver mixt. Und eine freundliche Grimassen schneidende Schwedin bot ihm – mittlerweile schon gehörig mit Schlagseite – an, einen Cocktail zu mixen.
Dies ist die Stelle, an der Bob seinen ersten Fehler machte und ins offene Messer lief. Er selbst würde vielleicht sagen, dass das offene Messer in ihn lief. Doch es hätte nicht so weit kommen müssen. Er hätte bloß stutzig werden brauchen, als die Schwedin ihn fragte, in welcher Farbe er seinen Cocktail denn gerne hätte. Grün, braun, oder vielleicht lieber orange?
Bob entschied sich für den grünen Cocktail. Zwanzig Minuten vorher hatte Muz, Gast auf der selben Festlichkeit, die gleiche Entscheidung getroffen. Zwanzig Minuten später lag er dann auf der Treppe besagter Wohnung und verzierte sie mit – einen Zimmerspringbrunnen gleich – mit einem ganz wunderschönen Muster, das einige Anwesende an ein Buch über fraktale Geometrie erinnerte.
Bob bekam all dies mit, dachte sich jedoch nichts dabei. Ihm selber ging es ja ausgezeichnet. Er schaute sich allerlei lustige Tänze an – unter anderem den Eichhörnchen-Tanz Fionas. Nebenbei entdeckte er – gut mit Bier versorgt – die Cocktail-Würstchen für sich.
Als sich die Gesellschaft gegen 2.45 Uhr langsam aufzulösen begann, machte auch Bob sich zielstrebig auf den Weg nach Hause, wo er dann letztendlich um 3.15 Uhr ankam. Erschöpft fiel er ins Bett und schlief. Bis er dann um 9.34 Uhr aufwachte und einen Tag ins Auge blickte, den zu bestehen ihm seine ganze Kraft abverlangte.
Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.
Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004
»›Wirst du mich vermissen?‹ – ›Jede Minute am Tag und jede Sekunde in der Nacht!‹«
aus dem Film »Gefährliche Begegnung«
Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.
© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke
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