Julian Stahnke

23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign


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am Samstag, 2. Mai 2009

Das Komma

Geschrieben in Potsdam
ohne Kommentare

Das Komma wurde im dritten Jahrhundert vor Christus von Aristophanes von Byzanz erfunden. Unzufrieden damit, beim Vorlesen immer an den falschen Stellen Luft zu holen, kam er auf die Idee, Textteile durch Punkte zu trennen. Kurze Passagen – so genannte Kommas – trennte er durch einen Mittelpunkt. Im Laufe der Jahrhunderte geriet diese Praxis – wie fast alles, was irgendwie mit Kultur zu tun hatte – jedoch wieder in Vergessenheit, bis im späten Mittelalter und der Renaissance zuerst das Schreiben und schließlich auch die Satzzeichen wiederentdeckt wurden. Es wurde allerdings einiges durcheinander gebracht, so dass das Wort Komma nicht mehr die kurze Textpassage, sondern das Satzzeichen bezeichnete.

Mit der Verbreitung des Buchdruckes schaffte das Komma dann seinen endgültigen Durchbruch – zuerst in Form eines Schrägstrichs, schließlich als der kleine Kringel, der bis heute benutzt wird. Und nicht nur die Form des Kommas, sondern auch seine Verwendung wurde reglementiert: es sollte nicht mehr frei nach Laune und Tagesform, sondern nach strengen Regeln zur Strukturierung der Sätze verwendet werden.

Ein paar hundert Jahre lang funktionierte das alles prima; mittlerweile scheint sich jedoch der ursprüngliche Verwendungszweck als Indikator zum Luftholen wieder durchzusetzen. Weil der heutige Durchschnittsbürger durch zunehmende Bürotätigkeit bedingt jedoch wesentlich kurzatmiger ist als der gemeine Grieche vor 2000 Jahren, nimmt die Anzahl der verwendeten Kommas jedoch stark zu, so dass es zu einem Konflikt mit seiner Funktion zur Strukturierung von Sätzen kommt. Viele Texte gleichen hierdurch Krisengebieten, die Kommas Landminen. Als Beispiel ein anonymer Hilfesuchender aus dem Internet:

Während meines Praktikums, konnte ich mir einen guten Überblick über die Tätigkeiten, im Tagesablauf eines Verkäufers, verschaffen.

Dieser Text wird durch diese Verwendung von Kommas nicht logisch strukturiert, sondern brutal auseinander gerissen. Der Leser fängt an zu lesen, nimmt ein wenig Fahrt auf und – wumms, stößt auf das erste achtlose Komma; es fetzt ein halbes Satzglied durch die Gegend. Kaum wieder aufgerappelt, kommt schon das nächste – wumms, der Überblick geht in die Luft. Und gerade, wenn der Leser meint, er hätte es durch dieses Minenfeld geschafft, fliegt ihm zusammen mit dem abschließenden Komma auch noch das letzte bisschen Kohärenz um die Ohren.

Aber nicht jedes falsch gesetzte Komma wird aus Unwissen falsch gesetzt; einige Leute nutzen Kommas auf unterschiedlichste Art und Weise, um ihren persönlichen Stil zu prägen. So gibt es einen Waliser namens Jonty, der Kommas anstelle von Textauszeichnungen wie kursiv oder fett verwendet. Möchte er ein Wort betonen, so setzt er einfach ein Komma dahinter – im folgenden Beispiel liegt die Betonung auf dem Wort das:

Das, ist ganz toll.

Das Komma ist damit völlig überfordert. Der Leser auch.



Anderswo zu empfehlen

Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.

Reisetagebücher

Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004

Das zufällige Zitat

»Um die Wahrheit zu finden, zieht man in Frankreich etwas ab, in Deutschland fügt man etwas hinzu und in England wechselt man das Thema.«

Peter Ustinov

Die Information, die so wichtig ist, dass sie ganz unten steht

Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.

© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke

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