23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign
So. Eines vorneweg; ich habe mächtig viel Wein und auch einen Cocktail (danke, Johan) getrunken. Johan, mein wertgeschätzter Mitbewohner, hat sich nämlich vorgenommen, alle Cocktails dieser Welt zu mixen. Heute: Der Calm Monkey. Danach war ich dann sehr gut gelaunt.
Dann hat mein Ex-Mitbewohner, Jesse, angerufen. Er wäre heute in unserer alten Wohnung gewesen und hat die Post abgeholt. Es seinen auch ein paar Briefe für mich dabei. Ob ich die nicht haben wolle. »Selbstverständlich!«, war da meine Antwort. »Gut«, meinte er, er wäre in der So-und-so-Straße, ich könne ja mal vorbei kommen.
Ein paar Minuten später stand ich dann in einem dunklen Wohnzimmer und konnte die Frage, ob ich noch etwas zu trinken wolle, natürlich nicht verneinen. So ein zehn-minütiger Spaziergang bringt einen schließlich schon ganz schön ins Schwitzen.
Also wurde ich in die Küche geführt, wo ich auf einen Schweden, eine seit ihrer Kindheit in England lebende Chilenin und Laura aus Südafrika oder Australien sowie ein stets gut nachgefülltes Glas Rotwein traf. (Ganz so genau habe ich das nicht verstanden. Aber sie mag Früchte und studiert fashion design, mit einer Abschlussarbeit über Musik – das war der zweite Punkt, den ich nicht ganz verstand.)
Nun der erste Punkt, auf den ich ein wenig stolz sein kann: Es dauerte glatte zehn Minuten, bis die seit ihrer Kindheit in England lebende Chilenen herausbekam, dass ich aus Deutschland komme. Und das auch nur, weil ich erwähnte, dass ich einen Studienplatz in Potsdam bei Berlin hätte. (Es gibt auch noch einen zweiten Punkt. An den kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern.)
Irgendwann wussten wir dann alle, wer wo herkommt und beschlossen, Geschichten zu erzählen. Ich konnte natürlich mit meiner Geschichte über die mitten in der Nacht zerplatzende Glasvitrine ganz groß auftrumpfen. Durch Abzüge in der linguistischen B-Note reichte es dann allerdings doch nicht ganz, die anderen komplett vom Hocker zu hauen. Ein wenig Gelächter war aber immerhin noch drin.
Nach einiger Zeit zeigte der Rotwein dann Wirkung und ich musste mal. Noch nie in meinem Leben hatte ich so komplizierte Instruktionen zum Thema Toilettengang erhalten. Zumindest nicht, seitdem Jonas und ich einmal den kleinen Thilo-Maximilian babysitten mussten. Das Licht wäre in der Toilette, der Lichtschalter auch, aber den solle ich nicht benutzen – sondern stattdessen den Strom draußen, an der rechten Wand, knapp unter Hüfthöhe. Wie bitte?
Wie sich am stillen Ort des Geschehens zeigte, war der Lichtschalter wirklich nicht einfach zu finden. Und was sich mir dann im Scheine des Lichtes offenbarte, war schlicht und ergreifend das beste Badezimmer der Welt. Es war kein normales Badezimmer, nein, es muss irgendwann mal ein Wohnzimmer gewesen sein, komplett mit Kamin, Holzboden und breiter Fensterfront.
Nun stand direkt vor der Fensterfront eine altmodische Badewanne. Die Toilette war in einer Ecke, mit Aussicht auf eine Weltkarte aus dem 18. Jahrhundert, über dem Kamin hängend. Und dazwischen, bedrohlich nahe vor der Toilette, ein Stehleuchter. Bestes Badezimmer der Welt. Schöner Wohnen, falls ihr das hier ließt; schreibt mir, ich habe die Adresse.
Danach kam ich dann – unglücklich, dieses Paradies wieder verlassen zu müssen, zurück in die Küche. Und ich bin mir sicher, dass mein Weinglas vorher zum ersten Mal leer war. Als ich mich jedoch setzte und anschickte, zur finalen Verabschiedung auszuholen, fiel mein Blick auf eine riesige Menge an weinroter Flüssigkeit, die sich bedrohlich direkt vor mir aufbaute. Sollte das etwa mein Weinglas sein? Anscheinend schon.
So blieb ich dann noch ein wenig, was meinem Wissen über space cookies und -cakes sowie deren Folgen sicherlich gut tat. Schließlich – erschöpft, weiser und leicht schwankend und ein wenig traurig, war es doch sehr nett gewesen – schaffte ich es dann doch, mich zu verabschieden und wieder auf den Heimweg zu machen und wohl behalten zu Hause anzukommen. Allerdings nicht, ohne vorher in die falsche Richtung gelaufen zu sein.
Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.
Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004
»Besäße ich Texas und die Hölle, würde ich Texas verpachten und in der Hölle wohnen.«
Philip Henry Sheridan, Rede in der Offiziersmesse von Fort Clark, 1855
Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.
© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke
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