Julian Stahnke

23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign


zur Happy-Hour
am Montag, 5. Mai 2008

Der Engländer und sein Bier

Geschrieben in London
ohne Kommentare

In Deutschland haben wir ja bekanntlich das beste Bier der Welt. In England hingegen gibt es bloß importiertes Bier und Abwaschwasser. Wo es in deutschen Biergläsern fröhlich zischt und schäumt, sind englische Biergläser ruhiger als eine Schale Weihwasser. Es ist quasi so, dass zwei völlig verschiedene Sachen erfunden wurden und dann in einem der größten Irrtümer aller Zeiten irgendwie den gleichen Namen bekamen. Aber es gibt tatsächlich Leute, die behaupten, englisches Bier würde so gut schmecken wie deutsches. Was allerhöchstens stimmt, wenn man das deutsche Bier vor dem Vergleich ein paar Tage in der Sonne stehen lässt.

Warum aber trinkt der Engländer trotzdem so viel Bier? (Er hat ja ein – in ganz Europa berüchtigtes – Problem mit überhöhtem Alkoholkonsum.) Es gibt zu diesem Thema verschiedenste Theorien. Kurz zusammengefasst, die drei populärsten:

  1. Bier ist ja ein erlernter, ein antrainierter Genuss. Und in England gibt es ja kein gutes Bier. Daher weiß er gar nicht, wie richtiges Bier eigentlich schmeckt. Er kommt ja nie runter, von seiner Insel. (Wir sprechen hier immerhin über den Menschen, der meint, solch Sätze wie Fog in channel; continent cut off als Zeitungsüberschriften verwenden zu können.)
  2. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Der Engländer ein Mensch. Daher trinkt er so lange billiges Bier, bis er sich daran gewöhnt hat. In China essen sie schließlich sogar Hunde.
  3. Der Engländer hat sich entschlossen, methodisch die für den guten Geschmack verantwortlichen Teil des Gehirns in Alkohol zu ertränken. So schmeckt er nichts mehr und macht sich neben dem Bier auch gleich das englische Essen, die englische Boulevardpresse und Victoria Beckham erträglicher.

Eines, muss man aller Fairness jedoch sagen, hat das englische Bier dem deutschen voraus: Marketing. Englisches Bier kommt in Flaschen, die klangvolle Namen wie Bishop’s Finger, Abbot’s Ale, Hobgoblin, Adnam’s Broadside oder Timothy Taylor Landlord auf ihren Etiketten tragen. Man kontrastiere das mit dem typischen Mönchsdeutschen Biernamen. Ebenfalls kontrastiere man bitte den Krombacher-Vogel oder die Paulaner-Bedirndlte mit der leicht deutschfeindlichen, aber genialen Werbung für Spitfire, die in Deutschland wahrscheinlich zu einem Sturm der Entrüstung geführt hätte.

Und was ist nun das Fazit, nach diesem Parforce-Ritt durch die Abgründe der englischen Kehle? Ich halte mich aus diesem ganzen Gerangel raus und bestelle lieber Southern Comfort mit Ginger Ale. Da kann man schließlich nichts mit falsch machen, selbst in England.




Anderswo zu empfehlen

Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.

Reisetagebücher

Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004

Das zufällige Zitat

»Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod, aber für alle Fälle nehme ich immer Unterwäsche zum Wechseln mit.«

Woody Allen

Die Information, die so wichtig ist, dass sie ganz unten steht

Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.

© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke

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