Julian Stahnke

23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign


am späten Abend
am Samstag, 14. Juni 2008

Der Engländer und seine Straßen­beschilderung

Geschrieben in London
ohne Kommentare

Der Engländer macht ja viele Sachen anders als der Deutsche, oder gemeinhin der Europäer. Das rührt daher, dass er isoliert auf einer Insel wohnt und über Jahrhunderte hinweg nur von schlechten Leuten besucht wurde. Zuerst wurde er von der Römern unterjocht; dann von der Wikingern geplündert; konnte sich gerade so einer spanischen Invasion entziehen; hatte Glück, dass Napoleon weder einen Tunnel noch einen Fesselballon zu Stande brachte; und musste schließlich bei der EM im eigenen Land den Titel dem Deutschen überlassen.

Kein Wunder, dass der Engländer sich darum allem Kontinentalen gegenüber eher verschlossen verhält und somit von einigen wundervollen Errungenschaften der Moderne noch nichts mitbekommen hat. Nun kann man von solchen eigentlich selbstverständlichen Sachen wie Wasserdruck in der Dusche oder funktionierenden Bahnsystemen halten, was man will – man würde sich aber doch schon irgendwie freuen, wenn man sie hätte.

Am schlimmsten ist es allerdings mit der Straßenbeschilderung. Der Deutsche ist es ja gewohnt, an jeder Straßenecke ein auf einem Pfosten befestigtes Schild mit dem Namen der dazugehörigen Straße vorzufinden – selbstverständlich gesetzt in der DIN 1451. Eine grundsolide Lösung.

Der Engländer hält diese Lösung für übertrieben. Er möchte Pfosten sparen und befestigt die Schilder daher an den Gebäuden, die an der Straße stehen. Allerdings nicht im Erdgeschoss, sondern irgendwo knapp unter dem Dach. Dies liegt, denke ich, daran, dass der Engländer ja so gerne über das Wetter redet. Um über das Wetter zu reden, muss man ja auch drüber informiert sein. So schlägt man beim Orientieren mehrere Fliegen mit einer Klappe; man streckt den Nacken, liest das Straßenschild und sieht auch gleich, ob irgendwo eine Wolke aufzieht. Oder ein deutscher Flieger.

Nun wäre das ja an sich noch kein Problem. Pfosten sparen ist ja legitim und in Ordnung. Dem Engländer allerdings ist das noch nicht genug; er möchte auch Schilder sparen. »Es braucht doch nicht«, denkt er sich, »an jeder Ecke ein Schild – es reicht doch, jeweils am Anfang und am Ende der Straße eines anzubringen!«. So kann es also passieren, dass man eine Viertelstunde lang eine besonders lange Straße entlangläuft, ohne zu wissen, wie sie denn heißt. Da kann es passieren, dass man zu einer Party läuft, die bei folgender Adresse stattfindet: Old Bethnal Green Road 255. Nun kommt man aber von einer Querstraße aus in die Old Bethnal Green Road, weiß also nicht, dass man sich schon in der richtigen Straße befindet. Also läuft man so lange, bis sich ein Schild mit dem Straßennamen findet – am Ende der Straße. Jetzt weiß man, »Aha, hier bin ich richtig!«, und kann, weil man mittlerweile natürlich schon bei Hausnummer 411 ist, wieder ein ganzes Stück zurücklaufen. Das ist jedoch, selbstverständlich, nur das schlechteste Szenario. Meistens hat man ja vorher auf die Karte geschaut.

Und damit beenden wir einen weiteren Eintrag in der Kategorie Geschichten ohne Pointe.




Anderswo zu empfehlen

Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.

Reisetagebücher

Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004

Das zufällige Zitat

»Ich habe weiterhin Vertrauen in Linda Chavez. Sie wird eine gute Arbeitsministerin sein. Von dem, was ich in den Presserklärungen lese, ist sie perfekt qualifiziert!«

George W. Bush

Die Information, die so wichtig ist, dass sie ganz unten steht

Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.

© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke

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