23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign
Am Montag war ich zusammen mit Matt, Hannah und einer von Hannahs zahlreichen Schwestern los. Ziel war der, die oder das Scala, wo Camille gesungen, gespielt und auch sonst noch vieles anderes veranstaltet hat.
Da Camille ja aus Frankreich kommt und folglich auch eine französische Fangemeinde besitzt, betrachtete ich die ganze Veranstaltung verständlicherweise als gute Gelegenheit, Spaß zu haben, mein Französisch aufzupolieren und eine Französin zu einer Blitzhochzeit in Las Vegas zu überreden.
Tja, was soll man sagen – es waren tatsächlich viele französische Menschen da. Leider konnte ich keine näheren Bekanntschaften schließen; das hat sich einfach nicht ergeben. Allerdings standen um mich herum lauter Franzosen, so dass ich vor dem Konzert dieser sehr schönen Sprache lauschen konnte.
Während des Konzertes hat Camille dann die meiste Zeit auf französisch gesungen, wobei das Singen von verrückten Darbietungen noch verrückterer Franzosen begleitet wurde. Manche Lieder wurden spontan und ad hoc während des Singens auf Englisch übersetzt.
Auch Maurice hätte große Freude gehabt an diesem Abend. Es gibt da ein Lied, das »Le fil« heißt. Wo Camille darüber singt, dass sie ein Mädchen ist und zum Beispiel nicht die Transformers sammelt. (Woher ich das weiß? Nun ja, es ist eines von den »spontan übersetzten« …) Um das ein wenig verständlicher zu machen, hat sie dann mit ihrem Klavierspieler versucht, die Transformers-Titelmelodie zusammenzukriegen, wobei alle ordentlich Spaß hatten.
Gegen Ende gab es noch ein nur aus dem Refrain bestehendes Lied, dessen Text auf Englisch an die Wand projiziert wurde. Nun weiß ich endlich, dass Herr Hallerberg wirklich recht hatte, auch wenn Herr Huber es nie glauben wollte: Die Franzosen benutzen tatsächlich das Wort »putain«, wenn sie etwas ganz toll finden. Es wurde nämlich mit »holy shit« übersetzt. »Putain, putain – Zeile, die ich vergessen habe – nous sommes tous Européens« wurde zu »Holy shit, holy shit – … – we are all Europeans« Und das ist ja wohl eindeutig. Sehr amüsant übrigens, wenn man versucht, es mit genau der gleichen Melodie zu singen oder sprechen.
Auf die Gefahr hin, dass ich zu sehr nach MTV klinge: Ich kann’s jedem nur empfehlen, da auch mal hinzugehen. Falls Camille mal irgendwann in der Nähe spielen sollte.
Und ich träume nun davon, in Paris zu studieren. Vielleicht … man weiß ja nie …
Mittwoch Abend war dann Kontrastprogramm angesagt; es gab verrückte Engländer in einem völlig überhitzten Pub. Zuerst einmal zum Begriff Laptop-Bashing. Das ist eine Szenerie bei der ein komplett durchgedrehter Mensch mit seinem Laptop auf eine Bühne geht. Dort stellt er es dann auf einen viel zu niedrigen Tisch und schließt es an riesige Boxen an. Schließlich; und das ist das schlimmste an der Sache, fängt er an, damit Musik zu machen. Dabei steht er dann nicht etwa still, sondern hopst ekstatisch durch die Gegend.
In diesem Pub waren es drei Verrückte, die diesem Hobby frönten. Beim ersten (und der erste Eindruck ist ja immer der, der zählt) ging offenbar alles schief. Die besten Momente hatte er, als Rauschen aus den Boxen kam. Dazwischen gab es von dem Geräusch, das Kreide auf einer Tafel verursacht bis hin zu etwas, das sich entfernt nach Seekuh-Schreien anhörte, alles. Bloß keinen erkennbaren Rhythmus. Vom Sinn wollen wir hier mal gar nicht erst anfangen. Geklatscht wurde trotzdem. (?)
Der zweite sah dann aus wie Torsten Frings’ kleiner Bruder (man kann ihn auf dem Bild leider kaum erkennen). Und hätte von mir auch die rote Karte bekommen. Wobei man doch mit dem ihm gebührenden Respekt sagen muss, dass er wesentlich besser war als der erste. Es kam immerhin etwas zu Stande, dass wie Musik klang. Vielleicht nicht unbedingt für mich – aber es gibt ja immer Leute, die sowas hören. Huber hätte es bestimmt gemocht. (Was jetzt nicht abwertend gegenüber Huber gemeint ist.)
Der dritte Mann war dann das Tüpfelchen auf dem i. Die Glasur auf dem Kuchen. Der Tropfen, der das Faßmodell zum Überlaufen bringt. Zuerstmal war er kein purer Elektriker, sondern hatte auch noch eine Trompete mitgebracht. »Gut«, habe ich da gedacht, »der Abend könnte ja noch zu einem schönen Abschluss finden.« Denkste. Die Trompete wurde nur als Begleitung seiner quietschenden und kreischenden Elektromucke eingesetzt.
Das beste war aber die menschliche Note, die er dem ganzen gab. Wie er das tat? Er schrie. Ohne erkennbaren Inhalt. Einfach nur der pure Laut. Er schrie seinen Computer an (kann man noch verstehen), er schrie das Publikum an (unfreundlich, aber … okay, kann man als Engländer machen), er schrie die Wand an (?!).
Zum Glück war ich weder im Pub als auch in meiner Meinung alleine, so dass es doch ein bisschen Spaß gemacht hat.
Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.
Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004
»Wer Essen kennt, dem gefällt es überall!«
Hagen Rether, »… aus Liebe«
Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.
© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke
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