Julian Stahnke

23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign


später Nachmittag
am Sonntag, 16. Juli 2006

Die Kraft und die Herrlichkeit der Londoner Buchläden

Geschrieben in London
2 Kommentar

Einige Sachen sind in Großbritannien ja anders als in Deutschland. Nicht besser oder schlechter, sondern nur anders. Und dann gibt es eben auch Sachen, die ganz eindeutig schlechter sind. Was wiederum von Dingen aufgewogen wird, die besser sind. Zum Beispiel, dass man sonntags problemlos Bücher kaufen kann.

Aber natürlich fängt der Tag nicht damit an. Sondern mit einer schönen Dusche.

Wasser und Waschen

Die Wasserversorgung hier in London ist eher schlecht. Wenn man ein klein wenig gehässigt wäre, könnte man auch sagen »unterirdisch«. Aber ich bin ja nicht gehässigt. Ich bin ja nett. Ich kriege ja die NICE-Kekse.

»So schlecht kann die Wasserversorgung doch nicht sein«, werden jetzt wieder einige rufen. Freunde; ihr wart noch nicht hier. Wenn irgendwo wegen undichter Leitungen 915 Millionen Liter Wasser am Tag verloren gehen, dann ist das eine schlechte Wasserversorgung. Finde ich. Oder etwa nicht?

Es mag ja sein, dass die Leitungen 150 Jahre alt sind. Aber was kümmert mich das? Ich will nur eine warme Dusche und eine Klospülung, die funktioniert. Da sind mir die Antiquitäten unter der Erde egal. Da will ich Druck auf der Leitung. Aber das wird wohl noch ein wenig dauern, 1000 Meilen Wasserleitung lassen sich wohl nicht so schnell ersetzen …

Außerdem sind die Toiletten und Badezimmer immer sehr, sehr eng. Unseres ist da noch richtig geräumig. Allerdings – mein Badezimmer in Deutschland befand sich auf dem Dachboden. Trotzdem war es genau so groß. Und der Duschstrahl reichte weiter als 10 Zentimeter. Sowas wäre hier als schon als Luxus zu bezeichnen und dementsprechend unbezahlbar.

Einkaufen

Es gibt ja in London nicht nur schlechte Sachen. So ist es ja nun nicht, sonst würde ich ja auch sofort wieder zurück fliegen. Das mit dem Einkaufen ist hier zum Beispiel eindeutig besser gelöst; die Läden haben quasi immer offen.

Auch bedient wird man ganz anders. Im Supermarkt muss man die ganzen Sachen noch alleine finden, spätestens an der Kasse wird man dann jedoch an die Hand genommen. Die Kassierer kassieren nicht nur, sie tun auch auch was für ihr Geld: Sie packen die Einkäufe während des Kassierens gleich in eine oder auch mehrere Tüten. Manchmal, zum Beispiel bei den 3-Liter-Milch-Packungen (Milch ist nun mal gesund), nehmen sie auch zwei Tüten ineinander, damit auch ja nichts reißt. Das ist ist ein Einkaufserlebnis.

»Ja, für den Kunden ist das ja schön – die Verkäufer hingegen, die müssen hier malochen!« Sowas in der Art wird bestimmt wieder jemand sagen. Ich kenne euch doch mittlerweile. Auch da kann ich beruhigen; die Kassierer wirken glücklicher. Sie können einen wirklich Dienst am Kunden verrichten, anstatt ihm nur das Geld aus der Tasche zu ziehen, wie es in Deutschland üblich ist. Also profitieren beide Seiten und wir lernen; der Julian kann jedes Argument entkräften. Versucht es ruhig, ihr seht’s ja immer wieder.

Kleidung und Moral

»Kleidung und Moral in einem Abschnitt – zusammen?«, höre ich schon wieder wen rufen. Ja. Genau. Kleidung und Moral – zusammen in einem Abschnitt. Denn das geht hier Hand in Hand. Die Engländer haben das Wort Moral, da bin ich mir mittlerweile sehr sicher, nicht unbedingt erfunden – so wie sie hier rumlaufen.

Kommen wir zuerst einmal zur Moral: Die scheint hier nicht vorhanden zu sein. Woran sich das äußert? Damit kommen wir direkt zum zweiten Punkt; der nicht vorhandenen oder nur sehr ungenügenden Kleidung vieler Briten. Wie sonst als mit einem Defizit an moralischen Werten ist es zu erklären, dass wohlbeleibte britische Schwabbelbäuche oben ohne durch die Innenstadt laufen und die Modelandschaft verpesten?

Zur Unterstützung dieser These möchte ich einen weiteren Punkt anführen; Mädchen. Ja, es gibt sie nicht nur in London. Sondern auch, nur mal als Beispiel, in Bremen. Aber in Bremen sind sie anders gekleidet. In Bremen machen sie bezüglich ihrer Röcke nicht auf Gürtel. Das zieht einfach nicht. Höchstens an den Nieren.

In diesem Punkt mag es natürlich andere Meinungen geben. Aber Mädchen, die quasi in Unterwäsche durch Einkaufsstraßen laufen, waren mir schon immer suspekt. (Und dabei wollte ich doch nur ein Buch kaufen. Ein Buch. Und dann sowas!)

Die Kraft und die Herrlichkeit der Londoner Buchläden

Ein Buch habe ich am Ende übrigens auch bekommen. In der (zumindest unter Bibliophilen) berühmt-berüchtigten Charing Cross Road bei Foyle’s. Foyle’s war mal der größte Bücherladen der Welt. So steht es zumindest in der Wikipedia und auf den Werbesachen von Foyle’s – was auch der Grund war, warum ich mich für genau diesen Bücherladen entschied. Hat man mal wieder was zum Angeben. Man weiß ja nie.

Für die, die sich nun noch wundern, welches Buch ich denn gekauft habe: Hier, bitteschön, The Power and the Glory von Graham Greene. Zwar nicht genau die Ausgabe, aber ich habe jetzt keine Lust zum Suchen, dafür ist das Leben zu kurz. Meine Ausgabe hat noch ein Vorwort vom famosen und allseits bekannten John Updike.

Ich hatte zwar keine Ahnung, wer John Updike ist, werde mir in Zukunft aber generell öfter Bücher mit Vorworten kaufen. Es stimmt einen auf das Buch ein, es gibt einem erste Interpretationsansätze und man lernt dadurch einfach andere Personen kennen. Denn inzwischen weiß ich, das John Updike ein berühmter Autor und Anwärter auf den Literaturnobelpreis ist – also tatsächlich famos und allseits bekannt. Damit kann ich dann irgendwann mal prahlen. Damit, dass er der Autor der Rabbit-Reihe ist. Pulitzer-Preis für Bessere Verhältnisse und so. Siehe oben, man weiß ja nie.




Kommentare

  1. Jonas Andretzke am Sonntag, 16. Juli 2006

  2. Julian am Sonntag, 16. Juli 2006

Anderswo zu empfehlen

Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.

Reisetagebücher

Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004

Das zufällige Zitat

»Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben.«

Toni Polster

Die Information, die so wichtig ist, dass sie ganz unten steht

Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.

© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke

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