Julian Stahnke

23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign


nach Mitternacht
am Montag, 19. November 2007

Die stille Geschichte vom Wassertrinker

Geschrieben in London
1 Kommentar

Ich trinke sehr viel Wasser. So zwischen drei und fünf Liter täglich. Das war nicht immer so. Früher habe ich Apfelschorle getrunken (die von Vilsa), Orangenschorle (Rio-Grande-Orangensaft von Aldi, gemischt mit Vilsa classic – auch wenn es damals noch anders hieß und in einer Glasflasche kam), oder Malzbier (Vitamalz, natürlich). Was auch immer ich trank; es musste sprudeln, es musste zischen, es musste prickeln.

Irgendwann wurde ich dann krank: Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Nicht, dass das selten wäre – ich werde ständig krank, meistens im Herbst, wenn es kalt ist. Laut meiner Mutter liegt das daran, dass ich meine Haare nicht ausreichend trockne, bevor ich morgens das Haus verlasse. Was wiederum daran liegt, dass dies meistens eher zu spät als zu früh geschiet.

Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass zu wenig Schlaf schlecht für die Gesundheit ist. Weiterhin wurde es wissenschaftlich erwiesen, dass der Geist erst ab circa neun Uhr produktiv und zur Arbeit fähig ist. Und das ist nur das Mittel, natürlich gibt es da Abweichungen. Einige mögen vielleicht schon um sieben Uhr auf der Höhe sein, andere erst um elf. So wie ich, zum Beispiel.

Während ich diese Zeilen tippe – gemütlich in meinem Sessel sitzend, ein wenig Musik von Dawn Landes im Hintergrund spielend (unbedingt dieses Video angucken, mit Ton!) und natürlich mit einer Flasche Wasser neben mir stehend – bin ich übrigens auch krank. Der Schwede wird darüber ein Lied singen können, musste er mich doch schon das ganze Wochenende durch die dünnen, Kosten sparenden Neubauwände röcheln und husten hören.

Zurück zu damals, als ich krank war. Es muss irgendwann 2003 gewesen sein. Meine Eltern waren einen Monat lang in den USA, ich blieb allein zu Haus. Eine wundervolle Zeit voller Freiheit und Ruhe. Der Liberalismus wohnte eine Weile lang in unserem Haus. Außerdem hatte ich ein Auto zur Verfügung und einen nagelneuen Führerschein in der Tasche, so dass ich ganz alleine zum Getränkemarkt fahren konnte, um kistenweise Vitamalz zu kaufen. Für mein leibliches Wohl sollte also eigentlich gesorgt sein.

Bloß wurde ich, wie ja nun schon mehrmals strapaziert, krank: Husten, Schnupfen, Heiserkeit. (Fast der selbe Satz wie oben. Mit Absicht. Man kann ja als Mann gar nicht genug leiden wegen solcher Sachen.) Auf einmal schmeckte mir nichts mehr: Apfelschorle war zu süß, Orangenschorle hatte zu viele Stückchen und Vitamalz war klebrig bis zum geht-nicht-mehr. Trinken musste ich ja aber, man kann ja nicht von Nutellabroten und YES-Tortys allein leben. (Ja, die gab’s damals noch. So lange ist das schon her. Oder auch: so alt bin ich schon. Und ja, im Deutschen schreibt man, im Gegensatz zum Englischen, auch den Plural mit y.)

In meiner Verzweiflung griff ich zu Mineralwasser. Purem Mineralwasser. Vilsa Medium, um genau zu sein. Es hat kaum Kohlensäure und kommt in einer schicken, grünen Glasflasche, die der Unsitte des aus-der-Flasche-Trinkens insofern hinderlich im Wege steht, als dass sie schwerer und nicht so grifffreudlich ist wie eine Plastikflasche. (Man trinkt nicht aus der Flasche. Man benutzt ein Glas, dafür sind die Dinger schließlich da.) Und dabei blieb es dann. Ich trinke immer noch hauptsächlich Wasser. Morgens ein Pint Milch, am späten Nachmittag eine Dose Cola, und ansonsten Wasser.1 Mittlerweile allerdings stilles Wasser, ganz ohne Kohlensäure. Und kein Vilsa, sondern Volvic, Evian oder Wasser aus dem Wasserkühler im Büro. Allerdings nicht das kalte Wasser, sondern das Zimmer temperierte. Ich will schließlich was gegen meinen Durst tun und mich nicht erkälten.

1 Okay, das ist die vereinfachte Version. Natürlich trinke ich manchmal abends eine Cola, wenn ich einen Film schaue. Oder ein Bier, wenn ich mich im Pub befinde und einem perfiden psychologischen Konzept namens Gruppenzwang ausgesetzt bin. Aber im großen und ganzen – da muss man mir an dieser Stelle einfach mal vertrauen – trinke ich Wasser.




Kommentare

  1. der_Karl am Samstag, 8. Dezember 2007

Anderswo zu empfehlen

Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.

Reisetagebücher

Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004

Das zufällige Zitat

»Ein anständiger Deutscher liebt Probleme mehr als ihre Lösungen.«

Johannes Gross

Die Information, die so wichtig ist, dass sie ganz unten steht

Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.

© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke

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