23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign
Eigentlich wollte ich ja jetzt, genau in diesem Moment, Das fünfte Element gucken. Hatte ich mir fest vorgenommen. Sonntag Abend, Filme-Abend. Und McDonald’s-Abend. Das mit dem McDonald’s, das hat auch geklappt. Drei Cheeseburger waren es. Ein Luxus, sind sie hier doch viel teurer als in Deutschland. Umgerechnet €1,15 kostet das Stück. Unverschämt.
Wie gesagt, das war meine Absicht. Cheeseburger und Filme. Nicht sehr distinguiert, aber ab und an einfach mal an der Reihe. Leider kam es nicht ganz dazu. Stattdessen sitze ich nämlich hier und schreibe einen Verriss. Doch wie kam es dazu? Was treibt einen preisprämierten Filmrezensenten dazu, auf seine drittgrößte Passion zu verzichten und stattdessen einen Verriss über ein Produkt aus dem Hause Apple zu verfassen?
Der Abend fing gut an. Ich schaltete den Fernseher ein startete EyeTV (Darüber könnte ich auch mal schreiben – es funktioniert zwar ganz wunderbar, könnte aber ein paar kosmetische Änderungen gut vertragen.) und drückte sofort auf Pause. Dann ging ich zu McDonald’s, um mir mein Abendessen zu erlegen. Ohne Kontaktlinsen, wohlgemerkt, weil ich zu faul war. Aber dafür mit abgezählten Kleingeld. Gepriesen sei die Pennysammlung in der mittlerweile halb vollen Ikeatüte unter meinem Bett.
Unter meinem Bett, um einmal abzuschweifen, ist auch so ein schöner Begriff. Nicht ganz so herzig wie bei Hempels unterm Sofa, dafür jedoch internationaler. Neulich zum Beispiel rief Hannah »Oh no! I emptied my trash!« (Computer) – »So what? People do that all the time.« – »But I use it like under my bed! And now it’s all gone!« Tja, Pech gehabt.
Kommen wir also zurück zum Thema. Dem Filme-Abend. Der fing also gut an, mit Cheeseburgern und Carry on, doctor, einem großartigen Arztfilm aus dem England der 60er. Es gibt wohl eine ganze Serie davon, so ähnlich wie bei uns die Lümmel von der ersten Bank, bloß im Krankenhaus. Und bestimmt besser als Die Schwarzwaldklinik.
Dann wollte ich eigentlich Das fünfte Element gucken. »Vorher«, so habe ich jedoch gedacht, »könnste eigentlich noch die CD mit den ganzen französischen Liedern brennen, die du an und für sich schon vor zwei Wochen losschicken wolltest« – dachte ich so bei mir. Gesagt, getan – zwei Rohlinge vom WG-Genossen geklaut und ab ging’s. »Vielleicht noch draufschreiben, was eigentlich für Lieder dabei sind«, war dann mein nächster Gedanke.
Also flugs das Tracklisting aus iTunes kopiert1, Pages geöffnet und … ja, wie groß ist denn so ein CD-Cover, -Inlet, -Booklet oder wie auch immer? Schnell im Netz nachgeschaut, Wikipedia gedankt und 11,9×11,9cm gemerkt. Dann das erste Problem; wie mache ich einen Textkasten in Pages? Nach einigem Suchen wurde ich fündig. Schön, nun hatte ich einen grünen Kasten mit schwarzen Rand, aber wenigstens die richtige Größe hatte er.
So, nun der Text. Also in den Kasten geklickt, getippt und – weg war er, der Kasten. Das ganz konnte ich beliebig oft wiederholen. Was ich allerdings nicht getan habe. Nach dem fünften Mal habe ich aufgegeben und Jonas, den alten Pages-Experten, um Rat gefragt. »Moment! Da musst du aber erst außerhalb des Textbereiches klicken.« – wunderbar. Genau so stelle ich mir intuitive Software vor. Ich muss also erst … verdammt, wo bitte muss ich klicken? Textbereich? Was zum Teufel ist der Textbereich? Da ist doch nur eine weiße Fläche! Himmel hilf!
Egal! Ich habe einfach an den Rand geklickt. Und dann noch einmal ein Rechteck eingefügt. Und auf einmal ging’s! Ich konnte drin schreiben und es verschieben. Putain2! Habe ich mich gefreut. Das glaubt mir keiner, wie ich mich gefreut habe.
Jetzt musste eine Liste her. So habe ich dann mit großer Vorfreude auf den Button Lists (Tschuldigung, bei mir ist alles auf englisch.) geklickt. Und hatte auf einmal eine Liste – wunderbar. Genau so stelle ich mir intuitive Software vor.
Nun waren die Nummern der Liste alle linksbündig ausgerichtet. »Nee«, hab ich gedacht, »wer macht denn sowas? Das kann’s ja wohl nicht sein!« und habe geguckt: Wo kann ich das ändern?
Ihr wisst schon. Die typische Liste. Mit 29 Punkten. Bzw. Nummern. Und das sieht dann doof aus, wenn die Nummern alle linksbündig ausgerichtet sind, weil dann nach der 1 viel mehr Platz ist als nach der 1984. Also richtet man die Nummern rechtsbündig aus, damit der Platz vor der 1 ist. Das sieht dann viel kultivierter aus. Man kann jetzt natürlich sagen »Ja, aber … französische Musik, das ist doch Kultur genug, das …« – Zählt nicht. Wenn ich eine vernünftige Liste will, dann ist das so.
Antwort des Pages-Papstes: »Ich glaube, ich habe das mal hinbekommen.« – »Kannst du mal nachschauen, wie?« – fünf Minuten Sendepause – »Hab Tabulatoren benutzt.«
Das war’s. Damit war Pages für mich gegessen. InDesign braucht zwar drei Mal so lange zum Starten, ist dafür aber logisch und intuitiv. Und nun sage mir bitte niemand, das sei nur so, weil ich mich damit im Gegensatz zu Pages auskenne. Ein Schreib-/Layout-Programm, in dem es nicht mal verschiedene Mauszeiger (aka Werkzeuge) gibt, das kann auch einfach nicht vernünftig funktionieren. Man weiß nie, was genau man gerade tut. Schreibt man gerade? Wählt man etwas aus? Löscht man etwas? Verdammt, wo ist der Text auf einmal hin? Oh, ja, man hat wohl etwas gelöscht.
Also warte ich mal gespannt aufs nächste Jahr. Auf das Jahr des Herrn 2007. Das bringt dann neben dem 21. James Bond, dem vierten Indiana Jones (also … hoffe ich doch mal!) und dem fünften Meistertitel für Werder auch die nächste Version von Pages.
1 Ja, ich weiß. Man kann auch direkt aus iTunes drucken. Aber dann hat man Schrägstriche und alle möglichen anderen Sachen, die man nicht will. Außerdem; hinterher ist man immer schlauer …
2 Mein neues Lieblingswort. Siehe meine Ergüsse über die Höhen und Tiefen der Londoner Musikszene erster Teil, das Camille-Konzert.
Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.
Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004
»Wenn man in Paris Frau gewesen ist, kann man es nirgendwo anders sein.«
Charles de Montesquieu
Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.
© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke
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