23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign
Es läuft ja bei mir ganz gut im Moment, man kann sich wirklich nicht beklagen. Hobby Arbeit macht Spaß, Leute sind nett, es kommen ständig Freunde zu Besuch.
Gestern Abend lief es dann so richtig gut. Man muss ja sagen, dass britische Wohnungen in den seltensten Fällen über Isolierung oder Doppelverglasung verfügen. Daher ist es meistens recht kühl. Nun kann man ja allerdings einfach die Gasheizung andrehen, damit es wenigstens im eigenen Zimmer etwas wärmer wird. Wunderbar. Bloß hilft das zum Beispiel in der Küche recht wenig.
Als ich recht früh von der Arbeit nach Hause kam, hatte ich so richtig Hunger auf ein Brot mit nutella. Habe ja endlich einen halbwegs vernünftigen Bäcker gefunden, der diesen Namen auch verdient. Brot war also genug da. Nutella auch. Bloß war sie halt recht kühl und damit nicht so streichzart, wie man das aus warmen deutschen Stuben gewohnt ist. Bei der Butter verhielt es sich recht ähnlich.
Da kam mir ein Geistesblitz; warum nicht einfach Butter und nutella auf den Heizkörper stellen und diesen dann ordentlich bollern lassen? »Brilliant biste«, lobte ich mich dabei selbst.
Nach fünf Minuten war die Butter immer noch recht zäh, man könnte auch sagen, hart. Weitere fünf Minuten zogen ins Land, ohne dass sich die Situation großartig veränderte. Ich hatte nun die Wahl: Entweder etwas unternehmen oder … erstmal telefonieren. Also rief ich, braver Sohn der ich bin, meine Eltern an und plauderte ein wenig.
Das ging so eine halbe Stunde vor sich hin. In der Zwischenzeit wurde der Raum wärmer, mein Mundwerk lahmer und die Nachbarn fingen an zu backen. Nach dem Telefonat klingelte das Telefon dann gleich wieder. RJ war es, der mich zu einer Runde Wii einlud.
Als ich das Telefon auflegte, rümpfte ich ein paar Mal die Nase und dachte »Mensch«, dachte ich, »die Nachbarn, die lassen’s aber richtig krachen in ihrem Backofen. So doll wie das riecht … und brutzeln tut’s auch!«
Nach ein paar Sekunden überlegte ich, warum um alles in der Welt meine Nachbarn so spät noch etwas backen würden und drehte mich dabei instinktiv ein wenig nach links, hin zum Heizkörper. Der hat oben eine kleine Delle. In der sich mittlerweile eine Pfütze aus brutzlig-spritzender Butter gebildet hatte.
Sofort sprang ich auf und beugte mich über mein Bett, griff nach der Butter, hob sie an und … lies sie vor Schreck – und weil ich mir nicht die Fingern verbrennen wollte – wieder fallen. Genau auf mein Kopfkissen. »Na bravo, Julian, das hast du ja mal wieder gut hinbekommen.«, ist die zensierte Zusammenfassung der Dinge, die mir in dem Moment durch den Kopf gingen.
Mittlerweile war natürlich auch Butter in den Heizkörper selbst gelangt, was die ganze Sache auch nicht gerade besser machte.
Selbst jetzt noch, anderthalb Tage später, riecht mein Zimmer noch immer nach den Spuren dieses Zwischenfalls. Wenn auch, dank einer »Ich glaub ich mach mal besser das Fenster auf – Scheiße ist das kalt! – verdammt, was muss, das muss!«-Aktion, nicht mehr ganz so stark.
Ein nutella-Butter-Brot gab’s dann allerdings doch noch, dem ganzen eine versöhnliche Note verpassend.
Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.
Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004
»Ehemänner, die sich freiwillig an der Abmagerungskur ihrer Frau beteiligen, gehen mit ihr wirklich durch dick und dünn.«
Heinz Rühmann
Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.
© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke
271 Ausgaben