Julian Stahnke

23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign


zur »Julian! Geh ins Bett!«-Zeit
am Samstag, 24. November 2007

Französisch

Geschrieben in London
ohne Kommentare

Als ich vor zwei Monaten in Brüssel war, habe ich das erste Mal seit über zwei Jahren mein Französisch aus der Mottenkiste geholt. (Wenn man jetzt mal von gelegentlicher, oft durch Alkohol induzierter, Phrasendrescherei absieht.) Sieben Jahre Französisch in der Schule, da sollte man eigentlich meinen, das wäre ein Pappenstiel für mich.

Nun ist es jedoch so, dass Schule teilweise sehr anstrengt und man sich als Schüler nicht den ganzen Tag durchgehend mit dem Lernen von allerhand Dingen verausgaben kann. Man braucht zwischendurch Ruhepausen. Bei mir waren das in der neunten und zehnten Klasse oftmals die Französischstunden. Während ich in den ersten beiden Jahren noch gut – manchmal sogar sehr gut – dabei war, ließ ich im dritten und vierten Jahr des Französischunterrichts ein wenig nach.

Trotzdem gelang es mir auf unserer Parisreise, wie ich es niemals müde zu betonen werde, ein paar Metro-Fahrkarten gegen eine Dose Cola einzutauschen. Auf der Liste meiner Glanzleistungen während dieses grandiosen Trips zu den famosen Franzosen finden sich als weitere Heldentaten das erfolgreiche Bestellen einer Flasche Cola mit zwei Gläsern1 und ein freundliches »Au revoir pas!« zu einer unfreundlichen Bedienung. (Von dem kollektiven Sonnenstich wollen wir jetzt mal gar nicht anfangen.)

In der Oberstufe wollte ich Französisch dann abwählen. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, welchen Kurs ich stattdessen belegen wollte – was wenig verwunderlich ist, er kam nämlich nicht zu Stande. Also musste ich mich für weitere drei Jahre mit geistreichen Sätzen wie »Hm, oui, bien sur!«, »Hm, non, je ne pense pas!« oder »Hmm … la voiture est … bleue?« in den Schwindel erregend hohen Notenbereich jenseits der Fünfpunktemarke mogeln.

Das gelang mir überraschend gut. Dank der freundlichen Mithilfe zweier neben mir sitzenden Damen2 erreichte ich in manchen Hausaufgaben gar 13 bis 14 Punkte. Eine Zeitlang war ich sogar so erfolgreich, dass eine andere Mitschülerin entsetzt war, als sie mitbekam, das ich in einer Klausur nur magere 7 Punkte abstaubte. Vielleicht hält sie es bis heute noch für einen Ausrutscher.

In der elften Klasse reifte ich charakterlich um einiges. Ich hörte zum Beispiel auf, in der Ostkurve stehend den Schiedsrichter Schimpfwörter an den Kopf zu werden und verlegte mich auf – für Stadionverhältnisse – subtilere Rufe (»Schiri, wir wissen wo dein Auto stand«). Außerdem überlegte ich, Französisch wieder ernster zu nehmen, schließlich ist es eine schöne Sprache – zumindest, wenn es nicht aus meinem Mund kommt. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt so weit hinten dran, dass es mir einfach als zu aufwendig erschien. Es gab wichtigere Fächer, wie zum Beispiel Sport. Oder Informatik. (Oder Englisch. Und wie man heute sieht, habe ich wie immer die richtige Entscheidung getroffen.)

Ein integraler Bestandteil des Französischkurses waren auch die Kurstreffen. Sie fanden immer beim Lehrer statt und fingen äußerst zivilisiert über verschiedenste französische Speisen und Tränke diskutierend an, um dann einige Stunden später in einer abenteuerlichen Heimfahrt in Schlangenlinien und bedenklich über dem Maximalkontingent an Sitzen pro Fahrrad (welches zudem ständig mit einem anderen zusammenstieß) zu kulminieren.

Zwei Jahre später saß ich in einem Brüsseler Restaurant – unfähig, mein Frühstück zu bestellen. Mir gegenüber saß Herr Andretzke, der noch weniger Französisch konnte als ich. (Allerdings hatte er es auch nur für zwei Jahre in der Schule gehabt, und zudem ohne Kurstreffen.) Nun war es meistens kein Problem gewesen, auf Englisch zu bestellen. Wir versuchten es zwar des Öfteren auf Französisch, aber spätestens nach den ersten drei Worten wurde das Gegenüber für gewöhnlich sehr ungeduldig und fragte auf Englisch nach. Die Bedienung in diesem Restaurant sprach jedoch kein Englisch. Wie gut, dass ich im Französischunterricht immer so schön aufgepasst hatte! Zum Glück reichte es aus, um das geschriebene Menü zu entziffern – überhaupt, mit den geschriebenen Sachen kam ich erstaunlich gut klar, ich habe sogar eine Postkarte auf Französisch verschickt –, so dass ein »La!« in Verbindung mit einem Fingerzeig zum Menü sowie ein »chocolat chaud« ausreichten. Mein Lehrer wäre sicher stolz auf mich.

1 Hier schummelte ich ein wenig und nahm meine Hände zur Hilfe, um damit pantomimisch ein imaginäres Glas zu formen. Als ich erkannte, dass die Bedienung mich verstand, hob ich dann noch hektisch zwei Finger, damit Oli und ich nicht aus dem selben Glas trinken mussten.

2 Ich möchte betonen, dass ich schon noch selbst gearbeitet habe. Es wurde dann am Ende nur immer ein wenig korrigiert. Vieles war allerdings auch eine Frage der Motivation, zu zweit geht ja alles gleich doppelt so gut von der Hand und ist dabei noch viel lustiger.




Anderswo zu empfehlen

Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.

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Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004

Das zufällige Zitat

»Wenn alle Stricke reißen, häng ich mich auf!«

Nestroy

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Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.

© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke

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