23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign
Nachtrag, einen Tag später: Wie Jonas mir gerade per E-Mail mitteilte, gibt’s auch im beschaulichen Arbergen mittlerweile einen Supermarkt, der bis 22.00 Uhr auf hat. Tja, seitdem ich dort weg bin, hat sich anscheinend vieles getan.
Ich war gerade im Supermarkt. Schön, ich war die Tage auch bei einem Konzert von The Police, einem wundervollen Massala-Restaurant sowie dem ersten Last.fm-Live-Event. Und morgen geht’s nach Brüssel, Heimat der Fritten. Aber das tut hier gerade nicht zur Sache, das kann ja jeder.
Was aber nicht jeder kann, ist nachts um halb eins einkaufen zu gehen. So wie ich. Gerade eben. Beim 24h-Tesco. Hat von 0.00–23.59 Uhr auf. Wahnsinn. Bei uns in Bremen haben die Geschäfte vor ein paar Jahren noch um 18.00 Uhr zugemacht, jetzt ist man mittlerweile bei 20.00 Uhr angekommen. Aber rund um die Uhr?
Man muss ja sagen; so schön es auch ist, immer einkaufen gehen zu können – ob es nun wirklich so toll ist, sei mal so dahin gestellt. Die Kassiererin, die mich abfertigte, musste ich buchstäblich erstmal aufwecken. (Nein, ich scherze nicht.)
Was diese Frau wohl tagtäglich alles durchmachen muss? Wahrscheinlich ist sie allein erziehend und hat zwei kleine Kinder, die morgens um sieben zum Kindergarten gebracht werden müssen. Das erledigt sie dann wohl, so stelle ich mir das vor, nach der Arbeit. Als Frühstück gibt’s die ersten Croissants, die gerade frisch im Supermarkt angekommen waren. Danach macht sie die Rollos runter und schläft den Schlaf der Gerechten.
Zum Glück gehen die Kinder in einen Ganztagskindergarten. Darum kann die Frau schön lange ausschlafen, von acht bis drei, vier Uhr weit in den Nachmittag hinein. Wenn sie mal wieder auf der Arbeit ein Nickerchen eingeschoben hat, steht sie vielleicht sogar schon um zwei auf.
Nach dem Aufstehen wird sie wahrscheinlich ein paar Alltagsdinge erledigen – Putzen, zum Beispiel. Eventuell wird zwischendrin auch mal kurz der Fernseher angeschaltet, irgendwas kommt ja immer. Und einkaufen braucht sie ja tagsüber nicht, das kann sie vor/während/nach der Arbeit machen. Das muss man knallhart nutzen, da sollte man sich wirklich nicht mit zwei Händen voller Einkaufstüten durch die Hauptverkehrszeit quälen.
Nachdem die Toilette wieder blitzt und blinkt, bereitet sie das Abendessen vor und holt dann ihre Kinder aus dem Kindergarten. So versammelt, isst man zusammen zu Abend. Es ist nicht einfach, bei diesen Arbeitszeiten ein Familienleben zu pflegen, aber jeder tut sein bestes. Im Anschluss schaut man zusammen ein wenig fern und dann müssen die Kinder auch schon ins Bett. Sind ja noch ganz klein.
Schließlich kann die Frau noch ein wenig zu Hause rumbummeln, bevor sie dann wieder zum Supermarkt fährt, ein wenig arbeiten, ein wenig schlafen und ein paar neue Croissants kaufen.
Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.
Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004
»Amerika – die Entwicklung von der Barbarei zur Dekadenz ohne Umweg über die Kultur.«
Georges Clemenceau
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© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke
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