23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign
Vor ein paar Minuten habe ich noch entspannt im Bett gelegen und dem Soundtrack zu The Big Lebowski gehört – einem Film, den ich nie so ganz verstanden habe. Was mich allerdings nicht davon abhält, den Soundtrack gut zu finden. Schließlich ist es, laut Steve, »probably the best music compilation ever assembled«.
Ich würde allerdings nicht hier sitzen und schreiben, wenn das so wäre. Denn wenn der Soundtrack tatsächlich die tollste Sammlung an Musikstücken wäre, dann hätte ich nicht aufstehen müssen, um den Walking Song zu überspringen – beim Hören dieses Liedes setzt nämlich regelmäßig meine Atmung aus.
Wieso höre ich in letzter Zeit so viel Musik? Ganz einfach, ich habe mir ein paar Boxen »besorgt«. Da der Kyu-Dong ja gerade in Korea weilt, wird ihn das wahrscheinlich auch nicht stören. Und mein Musikkonsum ist drastisch gestiegen. Ein Beweis, wie ich finde, das Kopfhörer unausstehlich sind und man mit Boxen besser fährt. Falls ich länger hier bleibe, werde ich mir also wohl oder übel welche kaufen müssen.
Das würde ich dann als drittes machen. Als allererstes wäre ein Mülleimer wichtig. Bevor ich damit jetzt die Ökofraktion verschrecke; nein, ich werde die Tesco-Tüten dann natürlich immer noch als Müllbeutel verwenden. Bloß halt in einer zivilisierteren Art und Weise. Wir sind hier ja nicht in Thailand.
Die zweite Anschaffung wäre dann eine Blume. Eventuell eine Gerbera. Oder eine Chlorophytum. Oder aber eine Spathiphyllum. Das würde ich dann voraussichtlich spontan entscheiden. Vielleicht schocke ich ja auch die Ex-Tuscheltanten aus der vorletzten Reihe im Bio-Unterricht beim Herrn Klöckner und schaffe mir einen Bubikopf an. Eton crop, auf englisch. Wobei das vielleicht auch die Frisur ist, ich weiß sowas ja nie.
Und dann, dann kämen die Boxen dran. So ganz modern-schicke mit blitzenden Edelstahl und schwarz glänzenden, Fingerabdruck gefährdeten Plastik. Die passen dann sehr gut in ein eher karges Zimmer und verleihen dem Raum eine avantgardistische Atmosphäre, so dass ich mich nicht sonderlich um weitere Dekoration kümmern muss. Dafür hätte ich dann sehr viel damit zu tun, Staub zu wischen.
Ich surfe übrigens immer noch mit dem Wireless der Nachbarn. Das Apple Network 72484d. Kann ich nur weiterempfehlen, auch wenn es öfters mal aus ist. Dann muss ich entweder auf Adrian Soto’s Computer oder auf Peloi ausweichen. Beide sind jedoch nur sporadisch eingeschaltet und schwer zu empfangen.
Es hat aber was, dieses unberechenbare. Passt sehr gut nach London, wo man nie genau weiß, ob die Klospülung gleich zieht oder man das Fenster aufmachen muss.
Ich würde ja an dieser Stelle auch gerne von meiner noch anstehenden Heldentat berichten. Einem Herren aus dem Altenheim, wo ich Zivildienst geleistet habe, eine Postkarte zu schicken. Weil der jeweilige Zivi doch jeden Tag in den Briefkasten schaut und dort nie etwas findet. Außer dem Flyer des örtlichen Pizzaservice. Aber auch das ist schon ein Höhepunkt.
Das einzig heldenhafte im Moment ist jedoch die Musik, die ich höre. Marieke wird hoch erfreut sein, zu hören, dass ich nun auch die von ihr überaus geschätzte deutsche Band, die sich nach dem Mel-Gibson-Film Wir waren Helden benannt hat, höre. Und die zukünftige Bazi Münchnerin freut sich bestimmt, dass ich tagein, tagaus Monica von ein paar (selbsterklärt) sehr weisen Leuten vor mich her summe.
Und dann habe ich gestern Abend – mittlerweile zum dritten Mal – Die fabelhafte Welt der Amélie geguckt. Und wieder auf französisch. Und ich komme einfach nicht umhin, nach Paris zu wollen. Mir ist ja klar, dass das nie klappen wird, da mein Französisch ja schlimmer als das Deutsch eines durchschnittlichen, zugewanderten Erstklässlers ist.
(Moment. Wie kann Julian einen Film auf französisch gucken und dann behaupten, er wäre dieser Sprache nicht mächtig? Untertitel, liebe Leser. Untertitel. (Wobei ich ja bereits mehrmals erfolgreich auf französisch parliert habe. In Paris zum Beispiel konnte ich mit großem Erfolg eine Metrokarte gegen eine Dose Cola eintauschen. Und in einem KFC (ebenfalls in Paris) eine Flasche Pepsi mit zwei Bechern bestellen. Wobei das wieder so eine Geschichte ist … Nun, und in der jüngsten Vergangenheit konnte ich – ganz spontan, wie ich bemerken möchte – einem französisch sprachigen Schweizer am Telefon klar machen, wen ich sprechen wolle – »Est-ce que je peux parler avec Blahblah?« (Leider vergaß ich komplett, was bitte und danke heißt, so dass das ganze wahrscheinlich ein wenig unfreundlich rüberkam (»Bien sur!« – »Hö-hem!«)) Dem gegenüber stehen leider ein paar nicht so erfolgreiche Konversationen. Zum Beispiel damals, als mich Herr Hallerberg nach einem Auto fragte. Nach dem Nummernschild, der Marke … und ich mit »La voiture était … bleu!« antwortete.))
Diese ganzen Sachen wollen wir jedoch ausklammern. Man kann ja mal schauen. Es ist ja nun, falls sich das danach anhört, nicht so, dass es mir in London nicht gefiele. Oh nein, es ist hier ganz ausgezeichnet. Bloß habe ich noch keinen Crêpes-Laden gefunden. Und den merkwürdigen Fleischpfannkuchen, den Dorothee und Svenja früher immer so herrlich verhauen haben, gibt’s hier auch nicht.
Nun, ich schweife ab. Nächstes Mal erzähle ich dann vielleicht, was es mit dem KFC in Paris, der Pepsiflasche und den zwei Bechern auf sich hatte. Oder wie ich an die Überschrift gekommen bin. Oder auch was ganz anderes. Vom Dr. Pepper, zum Beispiel.
Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.
Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004
»Europa – das Ganze ist eine wunderbare Idee, aber das war der Kommunismus auch.«
Loriot
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© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke
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