Julian Stahnke

23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign


nach dem Abendbrot
am Sonntag, 2. September 2007

Meine Strategie bezüglich der Auswahl von Wein

Geschrieben in London
ohne Kommentare

Ich habe in letzter Zeit den Wein für mich entdeckt. Und den Käse. Und sitze so des Öfteren schön gemütlich im Wohnzimmer auf dem Sofa, vor mir ein Glas Rotwein und ein Teller mit kunterbunter Käseauswahl. Gerade jetzt zum Beispiel habe ich einen Teller mit Taleggio, Red Leicester, Leerdammer und Camembert. Dazu trinke ich einen fürchterlich schlechten Rotwein, der völlig verwässert schmeckt und dessen Namen ich deswegen verschweige. Sonst denkt Google noch, ich mag den.

Doch wie kommt es dazu, dass ich diesen schlechten Rotwein trinke und keinen guten, wie es mir sicherlich aufgrund meines distinguierten Charakters, meiner einwandfreien Moralität und meiner herausragenden Intelligenz zustehen würde? Nun, bevor wir dazu kommen, hier noch kurz meine Beobachtungen zum Käse:

Der heutige Käse

Der Leerdammer ist einer meiner Käsefavoriten. Er schmeckt einfach immer, zu allen, auf allen. Leicht und schmackhaft.

Dann hätten wir da den Red Leicester. Dieser Cheddar-Käse ist recht würzig und hat weitaus mehr Charakter als zum Beispiel der Leerdammer, so dass er nicht zu jeden Wein schmeckt. (Würde ich jetzt einfach mal so aus meiner bescheidenen Erfahrung sagen.)

Des Weiteren heute auf meinem Teller zu finden: der Taleggio. Da ich mich mit Käse nicht so sehr auskenne, sage ich einfach mal bloß, dass er sehr gut schmeckt. Außerdem ist es der Käse, der Casanova dazu bewog, eine Enzyklopädie der Käsesorten zu schreiben. (Diese wurde leider nie vollendet, da er, laut Wikipedia, von anderen Beschäftigungen zu sehr in Anspruch genommen wurde.

Der letzte Käse in der Reihe ist dann ein stinknormaler Camembert, der mir nicht ganz so gut schmecken wollte. Und ständig am Teller kleben blieb er auch.

Julian im Supermarkt oder
Weinkauf für geistig Umnachtete

Nun aber zum Grund, warum ich heute keinen guten Wein gekauft habe. Dazu ein wenig zu meiner Strategie vorm Weinregal.

Man steht ja immer vor diesem riesigen Regal. Hunderte Flaschen schauen einen bedrohlich an. Wenn es nicht gar schon in die Tausende geht, denn dann sind es noch mehr. Nun steht man da, ganz alleine, in einer Masse von Leuten, die sich an einem vorbei drängeln. Man versucht, den Geschmack eines Weines anhand von wenigen, befremdlichen Fachwörtern zu entschlüsseln, während sich eine wohl beleibte Mutter mit fünf aufgeschreckten Kindern und überquellendem Einkaufswagen vorbeischiebt.

Meine erste Strategie war es, den Wein mit dem schönsten Logo zu nehmen. Das war dann ein Rotwein mit einem blütenweißen Logo, das nur den Namen des Weines in der Mitte und ein paar weitere Sachen am Rand hatte. Und das Papier des Logos war wunderschön, nicht einfach nur normales Papier, sondern mit richtigem Wasserzeichen und Prägung. Sehr schön. Der Wein hat auch gut geschmeckt. Leichten Schrittes konnte man dann durch die Welt laufen, vor allem auch, weil man auf einmal einiges1 an Kleingeld los war. Eine andere Strategie musste her.

Beim zweiten Mal habe ich dann die Zufallsstrategie angewendet, besser beschrieben vielleicht als Augen zu und durch. Bei dieser Strategie schließt man die Augen und greift aufs Geratewohl eine Flasche Wein hinaus. Das Ergebnis: Ein wenig billiger, ein wenig schlechter – ganz okay, aber nicht sonderlich gut. Und zudem auch sehr inkonsistent und damit nicht besonders viel versprechend für die Zukunft.

Die dritte Methode, heute erdacht, war bisher die theoretisch allerbeste. Man stelle sich vor das Weinregal und warte, bis jemand kommt, der sich wie ein Weinkenner benimmt. Diese Person wird dann eine unglaubliche Anzahl an Flaschen durchgehen, die Etiketten beschauen und dabei ab und an leicht mit dem Kopf nicken oder auch, in Ausnahmefällen, ein wenig lächeln.

So weit, so gut. Ich wartete also auf diesen Weinkenner, auf mein Ticket zu einem schönen Abend. Nach ein paar Minuten kam dann auch ein Mann mit schon recht hohem Haaransatz, Brille und halbwegs gepflegter Kleidung. »Der isses!«, wusste ich da sofort. Wie ein Geier verfolgte ich diesen Mann nun, war wie ein Phantom, wie ein Schatten. Irgendwann legte er dann eine Flasche in seinen Korb und ging zur Kasse. Ich nahm also eine Flasche der gleichen Marke und ging ebenfalls zur Kasse. Dort angekommen, schon mitten in der Schlange, sah ich: Ich hatte mich vergriffen. Ich hatte die falsche Flasche erwischt.

Was tut man also? Man steht mitten in einer langen Schlange, der Supermarkt macht gleich zu und man ist sich sehr unsicher, ob es sich lohnt, noch mal zum Weinregal zu rennen und die richtige Flasche zu finden.

Was man, im Nachhinein betrachtet, tun sollte: Man rennt zum Weinregal und versucht, die richtige Flasche zu finden.

Was ich getan habe: Nichts dergleichen. Was das bedeutet: Cola trinken.

1 Also, der Preis war noch okay, £7,99. Aber ich habe mir halt gedacht »Na, das geht auch günstiger, Julian!«




Anderswo zu empfehlen

Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.

Reisetagebücher

Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004

Das zufällige Zitat

»I did but see her passing by, and yet I love her till I die.«

Barnabe Googe, englischer Dichter, 16. Jahrhundert

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Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.

© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke

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