23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign
Ich bin ja vor ein paar Wochen umgezogen. Zwar nur 750 Yards weiter, aber immerhin. Nun ist der nächste Supermarkt auch genau so viel weiter entfernt. Oder man nimmt den Bus und fährt zum riesigen 24h-Supermarkt. Der sonntags immer bis vier Uhr nachmittags offen hat.
Heute hatten wir wirklich nichts mehr in der Wohnung. Kein Toilettenpapier, keine Cornflakes und vor allem keine Milch. Ich bin ja ein ganz großer Milchtrinker. Ob nun pur, mit Cornflakes oder in Form eines White Russian, ob morgens, mittags oder abends – Milch geht immer.
So entschloss ich mich also, Nachschub zu besorgen. Zusätzlich, so dachte ich mir, ließen sich vielleicht noch ein, zwei Dinge zur Dekoration des Kühlschranks finden und schon wäre die Welt wieder im Lot. Nun blieb nur noch eines übrig; die Entscheidung, welchem Supermarkt ich mein hart verdientes Geld und die Pflege meines fleißig antrainierten Bauchansatzes anvertrauen sollte.
Ich entschloss mich für den, der noch gerade so in Laufweite ist. Also nicht der riesige 24h-Supermarkt, der sonntags immer bis vier Uhr nachmittags offen hat. Sondern der normale, der sonntags immer bis fünf Uhr nachmittags offen hat. Um das ganze unterhaltsamer zu gestalten, brauchte es nun noch zwei weitere Dinge.
Heute gerade frisch reingekommen: Das Debütalbum von Feist mit dem merkwürdigen Namen Monarch (Lay Your Jewelled Head Down) – schon ein wenig angestaubt, Jahrgang 1999.
Merkwürdig finde ich den Namen, weil ein meinen Ohren Monarch (Lay Down Your Jewelled Head) tausend Mal besser klänge. Am Ende zählt ja aber nicht, wie der Titel klingt, sondern die Lieder. Und die sind zwar nicht ganz so gut wie auf den späteren Alben, aber schlecht nun auch wieder nicht.
Nun gibt es zwei Wege, zu besagtem Supermarkt zu gelangen. Der eine führt mich an zwei viel befahrenen Straßen (Cambridge Heath Road und Bethnal Green Road) entlang, der andere bloß an einer (nur Bethnal Green Road). Letzterer führt zudem noch an meiner alten Wohnung vorbei. Und wenn man schon ein Album von 1999 anhört, dann kann man sich auch gleich den kompletten Fix Melancholie geben und an seiner ersten Wohnung außerhalb des wohl behüteten Elternhauses vorbei laufen.
So machte ich mich also in der kalten, verregneten Nacht auf den Weg. Als ich in Sichtweite der alten Wohnung war, kamen mir dann auch gleich schlimme Gedanken. Mir fiel auf einmal ein, dass ich ja vergessen hatte, mein zweites Paar Schlüssel zurück zu geben. Diesen Gedanken wischte ich dann aber lieber gleich im Ansatz weg. Nein, nein, nein.
An der Wohnung vorbei kommt dann ein ganz klitzekleiner Park. Eher ein Pärkchen als ein Park. Durch dieses Pärkchen führt ein manchmal etwas schlammiger Weg, der beharrlich von drei Bäumen1 versperrt wird, die ihre Äste herunter hängen lassen. Nicht so heute. Die Bäume wurden zurecht gestutzt. Die Äste sind nicht mehr da.
Und da habe ich mich dann gefragt, was der Mist soll. 14 Monate lang zwänge ich mich fast jeden Tag unter diesen Ästen durch. Und kaum zieht man weg, wird der Weg frei gemacht. Ganz große Klasse, wirklich.
1 Zum Thema Bäume hab ich noch was in Hinterhand. Da kommt noch was. Das wird ein Kracher. Oder Knaller. Wie auf der Anstoss-CD, ebenfalls von 1999. Oh ja.
Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.
Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004
»Wir sollten darauf achten, einer Erfahrung nur so viel Weisheit zu entnehmen, wie in ihr steckt - mehr nicht; damit wir nicht der Katze gleichen, die sich auf eine heiße Herdplatte setzte. Sie setzt sich nie wieder auf eine heiße Herdplatte - und das ist richtig; aber sie setzt sich auch nie wieder auf eine kalte.«
Mark Twain
Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.
© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke
271 Ausgaben