23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign
Es ist ja allgemein bekannt, dass in südlichen Gefilden eine Sitte namens Siesta existiert, bei der man zur Mittagszeit ein kleines Nickerchen machen (siehe z.B. Die Hängematte von Gustave Courbet). Das Wort Siesta [ˈsjesta] kommt vom lateinischen sexta und bedeutet in etwa sechste Stunde. Entstanden ist es in der Mitte des 17. Jahrhunderts in Spanien.
Nun wird sich der ein oder andere sicher fragen, was der Julian denn damit sagen will. Wer mich ein wenig besser kennt, wird sich natürlich voller Vorurteile denken, dass mein detailliertes Wissen über diese Sitte aus eigener, praktischer Erfahrung herruht. Nun, das mag wohl stimmen, eigentlich will ich aber auf etwas ganz anderes hinaus.
Unsere neue Wohnung hat noch keine Vorhänge. Auch keine Rollos. Oder Rollläden. So lebt es sich natürlich anders, als mit Vorhängen. Oder Rollos. Oder Rollläden. Zum Beispiel wacht man morgens mit der Sonne – also recht früh – auf. Und kann erst ins Bett gehen, wenn es wirklich dunkel geworden ist. Dies macht mir allerdings nichts aus – ganz im Gegenteil; es ist recht angenehm, von der Sonne geweckt zu werden.
Ein wesentlich größeres Problem stellt die Wärmeentwicklung in unseren Räumlichkeiten dar. Alle unsere Zimmer liegen zur Südwestseite hin, so dass es mittags beginnt, kuschelig zu werden und im Laufe des Nachmittags dann so warm wird, dass man nicht sonderlich viel machen kann. Zumindest, wenn schönes Wetter ist. Die ersten drei Wochen war kein schönes Wetter. Dieses Wochenende war Sommer. Und ein langes Wochenende war es auch noch.
Ich für meinen Teil verstehe nun, warum die Südländer die Siesta erfunden haben. Morgens aufstehen, ein wenig produktiv sein (Toast fürs Frühstück machen), vielleicht hier in da ein wenig den Staub anders verteilen und dann nachmittags wieder hinlegen. Da reicht die Kraft dann gerade noch aus, ein Buch zu halten und wenn man Glück hat, sogar noch, es auch zu lesen. Bis man denn abends wieder aufrecht gehen kann, ohne gleich von einem durch die Gegend irrenden Sonnenstrahl nieder gestreckt zu werden.
Was werde ich mich freuen, wenn wir endlich Rollos haben. Dann werde ich die Siesta abschaffen. Genau das selbe tun die Südländer übrigens auch. Allerdings nicht freiwillig, sondern weil immer mehr internationale Konzerne Fabriken und Fillialen eröffnen und sich dabei nicht um lokale Sitten scheren. Tja, der Fortschritt hat seine guten und seine schlechten Seiten.
Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.
Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004
»I did but see her passing by, and yet I love her till I die.«
Barnabe Googe, englischer Dichter, 16. Jahrhundert
Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.
© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke
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