Julian Stahnke

23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign


am Vormittag
am Sonntag, 11. Juni 2006

Von Kontrasten und Jubiläen

Geschrieben in London
1 Kommentar

Gestern berichtete ich ja von den vielen Fußballliedern, die an mein Fenster wehten. Heute ist es eine Oper, die voll aufgedreht wurde. (Wie gerne würde ich jetzt so was wie »Heute ist es das Preludium zu Wagners Parsifal, das aus überdrehten Boxen geschmettert kommt.« Aber leider kenne ich mich mit Opern ja nicht so gut aus. So werde ich es nie schaffen, intellektuell zu wirken.)

Das mit der Oper ist ganz passend, ist es heute doch nicht ganz so heiß wie gestern, wo man kaum einen Schritt vor die Tür machen konnte. Es ist Sonntag, alles ein wenig ruhiger, ein wenig entspannter. Auch wenn die Geschäfte natürlich jeden Tag aufhaben.

Vor einer Woche erzählte Jesse mir, dass man in Louisiana nur im Schatten laufen kann – kurz danach wurde das auch hier zur bitteren Wirklichkeit. London ist halt südlicher als ihr da oben in Bremen. Also, schöne Grüße aus dem Süden!

Das Jubiläum

Kommen wir nun aber zu was anderem; dem Jubiläum, das last.fm, Ltd. – wie diese Firma glaube ich korrekt heißt, habe hier gerade nicht die Mittel, das zu recherchieren – letzten Donnerstag hatte. Ich weiß noch nicht mal, ob man es Jubiläum nennen kann, schließlich sind Jubiläen mehr mit Zeit verknüpft als, sagen wir mal, Toren. Wäre das 1000. Tor in einer Bundesligasaison ein Jubiläumstor? Ich weiß es nicht.

Auf jeden Fall haben uns die Bosse zum Essen eingeladen. Ich sag einfach mal Bosse, weil ich auf dieser Seite möglichst keine englischen Wörter benutzen möchte. Und »Direktoren« hört sich komisch an. Bei »Bosse« weiß jeder gleich, was gemeint ist. Ich opfere hier also Präzision für Simplizität. Hach, wie ich diese Fremdwörter liebe – es kommt hier in England ja nicht so oft vor, dass ich eines einstreuen kann. Da bin ich echt gelackmeiert. Ich habe hier einfach nicht die Bandbreite und Variabilität in meiner Ausdrucksweise, die ich aus Deutschland gewohnt bin.

Sind die Schweizer unpräzis?

Übrigens: Sagt man in der Schweiz »präzis« statt »präzise«? Wenn ja, dann liebe ich alle Schweizer noch viel mehr. Die Schweizer Sprache ist nämlich einfach unglaublich. Man könnte den ganzen Tag drüber lachen, wenn man da wäre. Nein, wirklich. Wer würde in Deutschland schon »Serviertochter« sagen? Oder »Da muss ich dich korrektionieren!«? Genau, niemand. In der Schweiz ist das offiziell. Wundervoll, wie ich finde.

Ich muss unbedingt irgendwelche Schweizer kennen lernen. Ach was; ich muss eine Schweizerin heiraten. Oder noch besser, ich ziehe in die Schweiz. Alles ist möglich.

In China essen sie Hunde

So. Wo waren wir stehen geblieben? Ach, richtig. Die Bosse haben uns zum Essen eingeladen. Koreanisch oder Thailändisch, irgendwas asiatisches halt. Vielleicht auch, weil gerade ein paar japanische Geschäftsleute da waren. Über die Gründe ihrer Anwesenheit werde ich hier mal nicht berichten. Wer weiß, in welche Küche mich das bringen würde. Bestimmt nicht in eine gute französische.

Asiatische Restaurants sind in Deutschland ja sehr auf den deutschen Gaumen angepasst. Da hat sich sozusagen ein Teil der asiatischen Köche eine eigene ökologische Nische gesucht und ist dann evolutionär zur deutsch-asiatischen Küche geworden.

Hier in London hingegen findet man noch die rohe, brachiale, ungeschminkte Küche vor. Die ursprüngliche, könnte man sagen. Die Speisen haben hier also auch nicht viel mit dem Glasnudelmischmasch gemein, das man in Deutschland serviert bekommt, wenn man etwas chinesisches bestellt. Nein. Hier gibt’s noch, um es mal auf die Spitze zu treiben, Hunde zum Abendbrot. (Das war jetzt, liebe Leser, eine Metapher. Ganz ehrlich. Kein Hund wurde während des Essens verletzt.)

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass das hier nicht schmeckt. Nein nein, war ganz lecker.

Das Essen gassi gehen

Ha! Welch grandiose Überschrift. Wäre natürlich schöner, wenn ich wirklich einen Hund gegessen hätte. Aber man kann ja nicht alles haben.

Danach ging’s dann, immer noch mit den Japanern im Schlepptau, zum Hoxton Square. Das ist ein ganz kleines bisschen wie die Schlachte in Bremen. Nur halt nicht am Wasser. Aber trotzdem schön. Es ist quasi ein Platz. Square = Platz. Einfach? Einfach. So, dieser Platz ist begrünt, mit Gras. Rasen, meine ich. Obwohl sich bestimmt auch das eine oder andere bisschen Gras findet.

Um diese Grünfläche herum finden sich allerhand Pubs und Bars. Nun sitzen also viele Leute auf der Grünfläche und viele Leute um diese Leute – und damit auch die um die Grünfläche – herum. Was für eine schöne Stimmung sorgt.

Danach ging’s dann noch in eine Bar, wo es Paulaner gab. Zu diesem Zeitpunkt waren nicht mehr viele Leute übrig. Nur noch die Japaner und zwei Leute von last.fm. Und ich. Ich habe in der Bar, wo es doch recht laut war, natürlich kaum ein Wort verstanden von dem, was gesagt wurde. Höchstens das, was die Engländer gesagt haben. Die japanischen Sätze habe ich mir immer aus den engländerischen Antworten zusammen gereimt.

Sehr interessant war auch, dass die last.fm Leute auf einmal Ace of Base gut fanden. Oder ABBA. Oder sie fanden es gar nicht sooo gut, haben es aber aus Rücksicht auf japanische Geschmäcker gesagt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Widgets, Widgets und … Widgets!

So weit, so gut. Nun werde ich mich gleich mal auf den Weg machen, meine Widgets fertig zu kriegen. Gestern habe ich es geschafft, den für mich eher unverständlichen Code zu verstehen und mir zu überlegen, wie einige der Widgets denn nun aussehen sollten. Sowas wie eine Grundstruktur, also. Und zwei von den acht Widgets habe ich dann auch fast ganz fertig bekommen, der Rest sollte so einfach sein wie … im Bus aus dem Fenster zu gucken.

Ganz nebenbei haben Matt und ich dann noch herausgefunden, dass Tabellen, also, <table> … </table>-Sachen am besten display: table; bekommen sollten. Lasst euch da nichts anderes erzählen, Kinder! Tabellen stellt man am besten als Tabellen dar, sonst funktioniert irgendwas nicht und verursacht stundenlange Suchkrämpfe mit abschließenden Nervenzusammenbrüchen bei … naja, hehe, nicht bei mir :D

Blumenläden

Kommen wir nun zu einem etwas traurigen Punkt; ich habe hier noch keine Blumenläden gefunden. Das wiederum führte dazu, dass das heutige Geburtstagskind von mir keine Gerbera geschickt bekam. Dafür aber einen Brief mit einer ganz tollen Zeichnung von mir beim nutella-Toast-Essen. Das ist doch fast genau so gut ;)

Ansonsten wünsche ich allen Leuten einen schönen Sonntag und mache mich mal auf den Weg. Bis dann!




Kommentare

  1. Christoph J. aus Emden am Sonntag, 11. Juni 2006

Anderswo zu empfehlen

Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.

Reisetagebücher

Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004

Das zufällige Zitat

»Amerikaner tun am Ende immer das Richtige. Nachdem sie vorher alle anderen Möglichkeiten ausprobiert haben.«

Winston Churchill

Die Information, die so wichtig ist, dass sie ganz unten steht

Diese Seite ist eine komplett private Veranstaltung. Es wimmelt hier also nur so von Dingen wie Schleichwerbung, Vitamin B und unsinnigen, parallelgesellschaftlichen Witzen. Dazu gibt es je ein tolles, zufallsgeneriertes Zitat.

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