23 Jahre/FH Potsdam/Interfacedesign
In der letzten Woche ging’s mir nicht so gut. Da kam mir dann das Wochenende gerade recht, um nur im Bett zu liegen und mich auszuruhen. Doch was passiert, wenn man nur im Bett liegt? Richtig, man bekommt Rücken- oder Nackenschmerzen. (Also, ich zumindest.) Kein Problem, dachte ich mir, nimmst du einfach ein Aspirin, machst einen Spaziergang – und dann passt das. Und dann passte das auch. So ging ich dann ins Bett und schlief ein.
Um halb vier wachte ich wieder auf. Mit einem Rücken, der sich wie bei einem Tetanusanfall anfühlte. Kein Problem, dachte ich; nimmst einfach ein Aspirin und, uh, – hoffst darauf, schnell einzuschlafen. So nahm ich also ein Aspirin und wartete. Und wartete. Und wunderte mich, dass nichts passierte. Bis ich mir die Verpackung der Aspirintabletten genauer anschaute und feststellte, dass es sich nicht um Aspirin, sondern irgendetwas komplett anderes handelte. Super.
Eine Stunde später fiel mir dann ein, dass mein Bazi-Mitbewohner ein paar Massagekissen hat. Die haben eine Batterie und eine Art Vibrator im Kissen und, so dachte ich mir, würden vielleicht helfen. Nach einer halben Stunde voller Flüchen hatte ich dann so ein Kissen (mit aufgeladenen Batterien!) unter meinem Nacken liegen und frohlockte; schließlich musste es nun besser werden. Wurde es auch; ein paar Muskeln entspannten sich. Ein paar aber auch nicht. Aber man kann ja auch nicht immer alles haben.
Morgens um acht wachte ich auf und stelle so fest, dass ich dann wohl doch irgendwann eingeschlafen sein musste. Mein Nacken fühlte sich mittlerweile ein wenig besser an, so dass ich zur Arbeit gehen konnte. Dort angekommen, ging’s mir erstmal ganz gut, dann nicht mehr ganz so gut, dann nicht schlecht und schließlich so, dass ich mich lieber auf den Weg nach Hause machte.
Zu Hause angekommen nahm ich flugs meine Kontaktlinsen raus und legte mich aufs Bett, um ein wenig zu schlafen. Gerade als mein Kopf das Kopfkissen berührte, ging der Feueralarm los. »Kein Problem«, dachte ich, »das ist bestimmt wieder der Johan mit seinen mangelnden Kochkünsten!«. Also schwang ich mich – so gut ich schwingen konnte – aus dem Bett und schaute nach, was los sei. Es stellte sich heraus, dass Johan nicht da war und die Küche leer und unberührt. Nun muss man wissen, dass wir drei Rauchmelder in unserer Wohnung haben. Alle drei waren sie am Heulen, und das nicht gerade leise. Ich rief meinen Mitbewohner an und brüllte ihm durchs Telefon zu, dass er mir sagen sollte, wie man die Rauchmelder wieder ausbekommt. »Einfach auf den Knopf drücken!«, kam es zurückgebrüllt.
Nach einer Minute erfolglosen Rumdrückens in der akkustischen Hölle gab ich’s dann auf und überlegte mir, mal die Nachbarn zu fragen. Als ich aus der Tür ging, stellte ich fest, dass auch bei ihnen der Feueralarm ging. Überhaupt, im ganzen Haus ging der Feueralarm. Entweder es brannte, oder irgendein Stück englischer Wertarbeit war mal wieder kaputt. Ich vermutete letzteres, wollte aber nicht darauf wetten und packte so sicherheitshalber ein paar Wertsachen1 in meinen Rucksack, zog mich ein wenig vernünftig an, packte die Kontaktlinsen wieder in meine Augen, entwuschelte meine Haare und ging nach unten vor die Tür.
Nun schallt es im (dreistöckigen) Treppenhaus schon sehr stark, wenn man nur die Treppe hoch- oder runterläuft. Ich kann und möchte jetzt nicht wiedergeben, was ein Bataillon lauter Rauchmelder mit diesen akustischen Möglichkeiten anstellen kann. (Es ist beachtlich; in meinen Ohren hallt es immer noch nach.) Vor der Tür traf ich dann einen Nachbarn, der verzweifelt versuchte, irgendwen zu erreichen, der uns Nachlass verschaffen könnte.
Wenig später kam dann auch der erste Anzugträger und stellte noch mal für alle zum Mitschreiben fest, dass kein Feuer ausgebrochen war. Dann stellte er fest, dass der Feueralarm aus einem der Geschäftsräume im Erdgeschoss originierte, wo fünf Minuten vorher zwei asiatische Bauarbeiter rumgefummelt hatten, die nun in sicherer Entfernung auf der anderen Straßenseite standen. Mit ihnen eine asiatische Frau, die kein Wort Englisch sprach und wohl die Mieterin der Räume war. Eine große Hilfe war sie also nicht.
In der Zwischenzeit stellten der Nachbar und ich fest, dass wir, wäre wirklich ein Feuer ausgebrochen, mittlerweile wahrscheinlich schon verbrannt wären – schließlich war immer noch keine Feuerwehr da. Es sollte dann auch keine mehr kommen. Man kann nur hoffen, dass sie wussten, dass es ein Fehlalarm war.
Fünfzehn Minuten nach dem ersten Alarm, es schrillte immer noch herrlich in den höchsten Tönen, kam dann ein zweiter Anzugträger. Mit einem Schlüssel für die Alarmanlage. Mit dem er den Feueralarm erfolgreich abstellen konnte. Für zehn Sekunden. Dann ging es wieder von vorne los. Nachdem er diese Prozedur fünf Mal wiederholt hatte, schwante ihm langsam, dass es so nicht gehen würde.
Mir wurde es an dieser Stelle zu bunt, so dass ich, mir immer schön die Ohren zuhaltend, wieder in unsere Wohnung ging und mich auf den Balkon setzte. Von dort aus konnte ich, ohne taub zu werden, das bunte Treiben vor der Eingangstür ein wenig im Auge behalten. In der nächsten halben Stunde ging der Alarm dann aus, an, für ein wenig länger aus, kurz wieder an, aus, an, aus und an im schnellen Wechsel und dann schließlich aus. Und gerade dann kamen meine Kopfschmerzen, die zwischendurch aufgrund des ganzen Adrenalins verflogen waren, zurück.
1 Ja! Wenn mich nun jemand fragt »Was würdest du aus einem brennenden Haus retten, Julian?«, dann habe ich die Antwort! Meinen Rucksack samt Laptop, Brille, Brieftasche, Personalausweis und – fragt mich nicht wieso! – Die Leiden des jungen Werther. Handys, iPods, externe Festplatten oder dieser ganze Papierkram wären es in meinen Augen hingegen anscheinend nicht wert, gerettet zu werden. Das kann ich nun, meine Innereien zu einem Fragezeichen verformt, aus erster Hand sagen.
Ich empfehle einfach mal, sich Behindertenparkplatz anzuschauen, das Blog einer in London lebenden, deutschen Rollstuhlfahrerin. Weiterhin wäre da noch das Alzheimer-Blog, wo mal aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wird. (Da schlägt mein Zivildienst im Altersheim voll durch.) Und schließlich, um ein wenig beim Thema zu bleiben: The Life of Riley, wo eine 107-jährige Australierin über ihr Leben erzählt.
Reisetagebuch Kopenhagen 2005, Reisetagebuch London 2004
»Am zuverlässigsten unterscheiden sich die einzelnen Fernsehprogramme noch durch den Wetterbericht.«
Woody Alen
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© 1999 bis in alle Ewigkeit die nächsten 50 Jahre: Julian Stahnke
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