Hier schreiben Jonas und ich über unsere Erlebnisse in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Wir sind dort sechs Tage, vom 14.10. bis zum 19.10.2005.
Freitag, 14. Oktober 2005
Das erste Problemchen
Das erste Problemchen gab’s schon vor dem Start; Jonas rief mich gestern ein bisschen verstört an »Da auf dem Zettel steht, dass man die informieren muss, wenn man nach 17.00 Uhr kommt! Das hab ich gar nicht gelesen! Ich hab versucht, da anzurufen, aber niemand ging ran!«
Da er ja heute morgen, jetzt gerade quasi, in der Schule weilt, hab ich also den zweiten Anrufsversuch übernommen. Ich wählte also die Nummer und wurde mit einer dänischen Ansage begrüßt, auf die ein englisches »We’re busy at the moment. Please hold the line.«, folgte.
Kurz darauf wieder eine dänische Stimme, aber diesmal war’s eine echte Frau, ein Mensch also. Und an dieser Stelle zeigte sich, dass Herr Claus gute Arbeit geleistet hat, denn ich konnte ganz entspannt ein »Excuse me. Do you speak English?«, einwerfen. Die Dame dann natürlich »Yes, sir.«, und ich »Okay, my name’s Jonas Andretzke, blablabla … « Alles ganz entspannt, Herr Claus wäre stolz auf mich gewesen ;)
Anreise
Unsere Reise nach Kopenhagen begann um 12.00 Uhr am Bremer Hauptbahnhof. Alles verlief bis Hamburg so, wie man sich eine gewöhnliche Bahnfahrt mit der Deutschen Bahn vorstellt. Dann stiegen wir dann aber auf einen EC (EuroCity) der dänischen Bahn um. Das änderte auch nicht viel, es war jetzt nur alles in dänisch gehalten und der Sitzkomfort war ein anderer: gemütlich und bequem, aber Beinfreiheit gleich Null, was die Bequemlichkeit dann auch schon wieder einschränkte.
Das wohl sensationellste an unsere Anreise war der Transport mit dem Schiff. Die Eisenbahn fuhr einfach auf die Fähre rauf und wir konnten eine Dreiviertelstunde die Sonne an Deck genießen.
Im Zug hatten wir übrigens sehr viel Spaß. Hier zum Beispiel erzählt Julian wieder einmal eine äußerst tiefgründige Geschichte.
Dank unserer großartigen Vorbereitung – Eigenlob stinkt doch nicht wirklich? – hatten wir dann in Kopenhagen auch keine Probleme die Touristenzentrale zu finden und zur Jugendherberge ging es dann auch ganz flux.
Kulturnatten (live aus dem Postmuseum)
Wir sitzen hier grad im Postmuseum. Gratis Internet, juhu! Die Zugfahrt war sehr lustig, genau wie das Schreiben an dieser Tastatur, da ich keine Ahnung habe, wie man hier Umlaute schreiben kønnte… ich benutz einfach mal das, was da ist. Sorgt dann auch gleich für ein wenig dænisches Flair, wie ich finde.
Wir sind sehr gut angekommen, alles ist in Butter, die Jugendherberge die geilste die es gibt auf der Welt. Sie ist quasi ein materialisierter Ikea-Katalog.
So, man muss sich hier beeilen, ich weiss nicht, wie lange ich den Rechner noch benutzen darf. Jonas sucht grad bei de.selfhtml.org nach den ASCII-Codes für die deutschen Zeichen. Aber da fællt mir auch die Sache mit den ü-Sachen und so.
Joa, eine Notiz an meine Eltern; ich konnte mein Handy noch nicht aufladen, da es immer ausgeht – muss erstmal Akku aufladen, ich schreib aber wohl noch mal.
Kulturnatten – Jagd auf das schwarze Männchen
An unseren ersten Abend in Kopenhagen hatten wir gleich volles Programm. Das war dann also nichts mit ruhig ankommen und so. Wir hatten von der jährlich stattfindenden Kulturveranstaltung im Vorfeld gehört und uns deswegen entschlossen sie mitzunehmen. Dass es die Kulturnatten gab und dass so ein kleines lustig aussehendes Männchens deren Symbol ist, war dann aber auch so ziemlich das Einzige, was wir wussten. Schon bei unsere Ankunft am Kopenhagener Hauptbahnhof trafen wir die ersten Leute die mit zu einer Pappaufmache des eben erwähnten Männchens herumliefen.
Wir entschlossen uns, nachdem wir unser Gepäck in der Jugendherge untergebracht hatten, jagt auf dieses niedliche kleine Männchen zu machen. Wir irrten ersteinmal eine ganze Weile in einer uns völlig unbekannten Stadt umher, bis Julian das Männchen auf einem Plakat in einer Buchhandlung wiedererkannte; wir stürmten sofort hinein, in der Hoffnung dort das Männchen zu erwischen. Noch etwas verschüchtert fragte Jonas die Verkäuferin nach einer englischen Informationsbroschüre, aber sie konnte uns nicht helfen. Also blieb uns nichts anderes übrig als weiter in der Innenstadt dem Männchen aufzulauern.
Wir irrten umher und waren völlig verloren, bis wir ans Christiansborg Slot kamen. Dort wollten wir uns einfach in eine Veranstaltung einschleichen, aber das Wachpersonal ertappte uns und machte uns darauf aufmerksam, dass wir erst ein schwarzes Männchen zu fangen hätten bevor sie uns Einlass gewähren könnten. Es war aber so freundlich uns zu erzählen, wo vor kurzem noch eine Vielzahl der Männchen gesichtet worden war.
An dem Ort innerhalb des Christiansborg Slots, an den wir verwiesen wurden, waren aber auch keine kleinen, niedlichen schwarzen Männchen zu finden. Also fragte diesmal Julian nach und zwar auf deutsch, vielleicht hätten wir damit ja mehr Erfolg. Ein äußerst freundliche Herr gab uns den nächsten Tipp. Er hatte erst vor kurzem von einer ganzen Herde gehört, die sich im Thorvaldens Museet aufhalten sollte. Es ging vorbei an ewig langen gefährlich anmuten Schlangen, Menschenschlangen, und durch Rauch ausstoßende Wälder. Aber wir schafften es gerade so und erreichten das Museum. Ein ganze Schaar schwarzer Männchen hockte direkt hinter dem Eingang und hätten wir nicht aufgepasst, wären wir beinahe vom Jäger zum Gejagten geworden. Die blonde Dame freundliche Dame die gleich neben dem Museumseingang hinter den Männchen saß, war dann aber auch prompt bereit uns passieren zu lassen. Das Museum selbst war dann aber nicht so spannend; außer doppelt vorhandenen Statuen und eine paar schönen Decken gab es nicht viel zu sehen.
Nach einer weiteren Irrtour durch die Innenstadt Kopenhagens, entschieden wir uns unsere Informationsbroschüre über die Kulturnatten zu verwenden und etwas heraus zu suchen, was uns interessant erschien: Das Rehabilations- und Forschungszentrum für Folteropfer. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass die ganze Veranstaltung für Menschen, die der dänischen Sprache nicht mächtig sind, leider nicht ganz so geeignet war. Wir taten also so, als hörten wir dem Vortrag einer blonden Mitarbeiterin Mitarbeiterin auf dänisch zu, lasen dabei aber in Wirklichkeit eine Informationsbroschüre auf englisch über amerikanische Foltermethodik im Zusammenhang mit dem Antiterroreinsatz in Afghanistan und Irak.
Da Jonas jedoch nicht auf weitere Informationen über die Institution verzichten wollte, fragte er noch eine blonde Angestellte Angestellte aus. In der Zwischenzeit wurde Julian gefragt, wie ihm der Vortrag auf dänisch gefallen hatte, den er vorzeitig verlassen hatte. Da er selbst diese Frage kaum verstand, war er sehr perplex und ging einfach weiter, voraufhin ihn die Mitarbeiterin etwas sehr verächtlich anschaute, als ob Julian kein Mitgefühl für die Folteropfer hätte.
Da wir uns etwas verloren vorkamen verließen wir die Institution und wollten auf gut Glück die erste Einrichtung in der Innenstadt besichtigen, die an der Kulturnatten teilnahm. Es traf das Postmuseum. Eine kulturell gesehen nicht unbedingt sehr hoch anzusiedelnde Entscheidung, aber wir bekamen die Möglichkeit etwas im Internt zu surfen und eine heiße Schokolade hoch über den Dächern Kopenhagens zu trinken.
Zum Abschluss unserer persönlichen Kulturnatten gingen wir noch in das, der Jugendherberge nahe gelegenen, Danish Design Center. Dort wollten wir uns noch den Film »Why Man Creates« anschauen, da er allerdings schon lief, besorgten wir uns einen Drink bei einer blonden Barkeeperin Servicepersonalfachkraft Studentin und schauten uns ein wenig um. Als der Film dann zu Ende war und wir uns gerade zur nächste Vorstellung in den Saal einfinden wollten, mussten wir feststellen, dass wir leider die letzte Vorstellung verpasst hatten. Da blieb uns wohl nichts anderes, als zur Jugendherberge zu gehen.
Die kleinen schwarzen Männchen haben wir natürlich behalten und dafür gesorgt, dass sie sich nicht so alleine fühlen müssen. Im Bymuseet trafen wir nämlich noch eine ganze Meute von noch kleineren orangenen Männchen an. Wir konnten in deren Besitz kommen, als wir die nette, blonde Studentin Eintrittskartenverkäuferin von ihre Hauptbeschäftigung, dem Solitairspielen, abbringen konnten und sie überredeten uns doch bei der Jagd behilflich zu sein.
Samstag, 15. Oktober 2005
Grüner Spaziergang
In unserem Reiseführer hatten wir zu Beginn unserer Reise einen Stadtplan von Kopenhagen entdeckt, auf dem einige Spaziergänge rund um und in der Innenstadt von Kopenhagen empfohlen wurden. Wir entschieden uns für den grünen, der hauptsächlich entlang der ehemaligen Wallanlagen führte.
Wir begannen unseren kleinen Rundgang am Rathus, welches wir, nachdem wir einige Fotos gemacht hatten, allerding schnell in Richtung Ny Carlsberg Glyptotek verließen. Auch dort weilten wir nicht lange, da wir sie schon einige Male passiert hatten.
Nach einer langen Zeit, in der wir lediglich an einer Trykkeri (sprich: Drückerei, heißt: Druckerei) und ein paar Tauben vorbei gekommen waren, erreichten wir unseren legendären Steg am See, den wir noch einige Male im Laufe unseres Aufenthaltes besuchen sollten.
Nachdem wir eine ganze Weile einem Kind beim Füttern der Teichbewohner zugeschaut hatten, begaben wir uns auch schon auf den Weg nach Christianshaven. Dort angekommen hatten wir reichlich Probleme die Dänische Filmhochschule zu finden und auch das Orlogsmuseum erschien uns nicht besonders interessant.
Bei der Vor Frelsers Kirke mussten wir mal wieder einen Obdachlosen abwimmeln, der Geld von uns haben wollte. Daher konnten wir dann auf Grund unseres schlechten Gewissens den Kirchturm mit seiner Wendeltreppe nicht so genießen.
Deswegen ging es dann auch schnell nach Christiania weiter. Christiania ist eine ehemalige Hippiegemeinde, die nicht der Europäischen Union angehört. Anfangs sah alles lediglich sehr verwahrlost aus und man konnte lediglich ein paar künstlerisch gestaltete Pissoirs begutachten.
Je weiter wie jedoch zum Herzen Christianias vordrangen, desto unheimlicher wurde es. Man konnte fast den Eindruck haben, dass die Hälfte der Anwesenden waschechte Junkies waren und auch eine sechsköpfige Polizeistreife beunruhigte mehr, als dass sie einem ein Gefühl von Sicherheit vermittelte. Daher war unser Aufenthalt auch nicht von langer Dauer und wir verließen Christiania in Richtung Christianshavn.
Hier muckierte Julian sich über ein dänische Straßenschild, aber schaut selbst. Viel geschah dann aber auch nicht mehr und so beendeten wir unseren Spaziergang in Nyhavn, nicht jedoch ohne ein Gebäude – die Neue Staatsbibliothek – gesehen zu haben, an dessen gläserner Fassade sich der Fluss wiederspiegelte. Sehr cool.
Index: 2005
Als wir während der Kulturnatten das erste Mal am Rådhuspladsen vorbeikamen, sahen wir eine paar etwas seltsam anmutende Kuben. Da wir aber noch kein schwarzes Männchen gefangen hatten, trauten wir uns nicht, diese zu betreten. In den nächsten Tagen stellten wir allerdings fest, dass die Kuben im Rahmen des Designwettbewerbes INDEX: 2005 aufgestellt worden waren und kostenfrei sind.
Den ersten Kubus, den wir uns ansahen, war der »Work-Kubus«. In diesem trafen die Schneckenbekämpfungsmethode der Zukunft an und auch eine mit Solarernergie gespeiste Operationslampe für afrikanische Krankenhäuser, die sonst keine hätten.
Ein weiterer Kubus, den wir uns anschauten, nannte sich »Play-Kubus« und stellte Freizeitsgestaltungsmöglichkeiten der Zukunft vor, jedenfalls so, wie sie sich die Wettbewerbsteilnehmer vorstellen. Am besten gefiehl uns der Tennisschläger für Rentner, bei dem man sich kaum mehr bücken musste um den Ball aufzuheben und eine Software, die es einem Publikum einer Sportveranstaltung erlaubt, die betreffenden Sportler zusammen mit den Kampfrichtern zu bewerten.
Als letztes gingen wir in den »Community-Kubus«, in dem besonders das zu 100% recyclebare Mobilfunktelefon faszinierte. In jenem war dann sogar noch ein Samen eingebaut, sodass man es, nachdem man es ausgiebig benutzt hatte, nur zu vergraben brauchte und im nächsten Jahr hätte man dann eine neue Pflanze im Garten, an der – wer kann es wissen? – vielleicht ja sogar neue Handys wachsen.
Hafenrundfahrt
Nachdem wir gemütlich unsere chinesischen Nudeln auf einer Bank in der Kopenhagener Innenstadt verfuttert hatten, fassten wir den Entschluss, unsere Beine von den bisherigen Strapazen zu erholen. Nichts schien uns da geeigneter als eine gemütliche Schifffahrt durch den Hafen von Kopenhagen.
Wir hatten gerade noch Glück, denn das Ausflugsboot wollte just ablegen, doch der freundlicher Besitzer ließ uns gerade noch aufspringen. So begann unsere Hafenrundfahrt in Nyhavn (ausgesprochen: Nühaun) damit, dass der Touristguide nachfragte in welchen Sprachen sie denn so sprechen sollte. Sie hatte unsagliches Pech, denn es waren sowohl Franzosen, Deutsche als auch Engländer an Board. Zu den besagten Deutschen gehörte auch eine Gruppe junger Leute, die sich fortweg über das zugegebenermaßen schlechte Deutsch der Reiseführerin lustig machten.
In Nyhavn waren dann zahlreiche Wohnstätten von Hans Christian Andersen zu beäugen und ebenso das schmalste Haus Kopenhagens, welches lediglich zwei Meter breit ist. Am Ende von Nyhavn war die Baustelle des neuen Theaters Kopenhagen zu besichtigen und schräg gegenüber die bereits fertiggestellte Oper.
Dann ging es auch weiter an einem historischen Kran, der früher mal zum Aufstellen von riesigen Mästen von Segelschiffen verwendet wurde. Dieser wiederum war ganz in der Näher der »Salutschussinsel«, von der jeden Tag mehrmals zu Ehren der dänischen Flagge ein paar mal rumgeballert wird. Meiner Meinung (ich bin übrigens Jonas) nach, ist eben dieses Herumgeballere völlig verantwortungslos, denn wir hatten uns am Freitag bei unserem Stadtspaziergang schon Sorgen gemacht, dass ein Terroranschlag verübt worden wäre.
Nach der Passage einiger alter Packhäuser, die heute als Luxusapartements und Lagerräume für die Kopenhagenere Kulturszene dienen, erreichten wir auch den exakt einen Kilometer langen Kai an dem die Kreuzfahrtschiffe anlegen, die Kopenhagen besuchen. An dem besagten Kai machte das Ausflugsboot eine Kehrtwende und erreichte die Meerjungfrau, welche von hinten, vom Wasser und vor allen Dingen am Tag nicht sonderlich spektakulär war.
Nach der Meerjungfrau kam erst einmal lange Zeit gar nichts, bis wir zwei – das dänische Königshaus verzeihe es mir – popelige Pavilions erreichten unter die sich die Adligen zu stellen pflegen, wenn sie auf ihre königliche Yacht warten. Diese zwei Pavilions waren dann selbstverständlich nicht weit vom Amalienborg Slot entfernt, in dem die königliche Familie dann und wann residiert. Wir hatten Glück, alle Flaggen waren gehisst, denn »diese Nackt wurde ein klein Prinz gebort«, wie uns die Reiseführerin mitteilte.
Nach dieser linguitisch wertvollen Unterrichtung fuhr das Ausflugsboot weiter nach Christianshavn, wo zum Teil 400 Jahre alte Gebäude zu entdecken waren.
Viel spannendes gab’s dann auch nicht mehr zu sehen, so dass das Ausflugsboot über einen kleinen Umweg zum Nyhavn zurück schipperte. Auf diesem sahen wir dann noch eine Brücke, die mit einem Löwenkopf aus Stein verziert war. In das Maul des Löwen hatte jemand einen Schnuller gesteckt. Ein kleines Bonbon zum Schluss.
Tycho-Brahe-Planetarium
Das Tycho Brahe Planetarium hat eigentlich gar nicht so viel mit dem aus dem Physikunterricht bekannten Astronom zu tun, sondern trägt nur seinen Namen. Aber da Jonas so begeistert davon war, beschlossen wir einen kurzen Blick auf es zu werfen, da es sowieso auf unserem Weg lag.
Gib’s noch ’was zu erzählen? Eigentlich nicht!
Sonntag, 16. Oktober 2005
BILD am Sonntag
Gestern hatte ja Werder gespielt. Wir wollten natürlich das Ergebnis wissen. Also ging Julian in einen Kiosk, um eine deutsche Zeitung zu suchen. Die einzige, die da irgendwie lose rumlag war die BILD am Sonntag. Vorne stand gleich dick und fett das 6:2 drauf, welches Werder am vorigen Tag errungen hatte. Nun waren sie also Tabellenführer und wir beide glücklich.
Viel glücklicher wurden wir nachher in der Jugendherberge, als wir die sog. BamS komplett durchlasen. Denn in diesem Epitom des deutschen Zeitungswesens, diesem europäischen Brückenkopf der englischen Yellow Press, standen zwei sehr amüsante Artikel. Wobei ich hoffe, dass es niemanden stört, wenn ich diese Bildergeschichten als »Artikel« bezeichne.
Der erste war BamS-Stangenware. Ein hilfesuchende Mann wandte sich an BamSExpertin (»pun intended«, wie die Engländer sagen würden) namens Desiree Nick. Hier ein Auszug:
Liebe Desi,
seit drei Monaten kenne ich eine unheimliche tolle Frau. Sie ist Flugbegleiterin. Ich liebe sie. Sie aber ist nicht an Gefühlen interessiert, sie will nur das Körperliche. Was kann ich tun?
»Desis« Antwort lautete ungefähr so:
Lieber xxx,
viele Männer wären mit so einer Frau unheimlich glücklich. Du nicht. Das spricht für dich. Oftmals sind Frauen, die nur Sex suchen, einmal unheimlich enttäuscht worden. Darum legen sie sich einen Panzer zu und lassen keine Gefühle mehr an sich heran. Sie haben Angst, verletzt zu werden.
Dadurch wird für diese Frauen alles sehr schwer. Denn wenn sie nur an Sex denken, sind sie ganz schnell als »leicht zu haben« unten durch. Männer können sich mit ihren Eroberungen brüsten und damit Eindruck bei ihren Kollegen schinden. Frauen hingegen gelten nach 40–50 Fehlern gleich als Schlampe.
…
Aber ich rate dir trotzdem; einfach dran bleiben. Zeige ihr, dass du es ernst meinst und sie wird sich dir öffnen (Hat sie schon – Anm. d. Red.). Frauen suchen Geborgenheit.
Viel Glück, Deine
Desiree Nick
So. Zuerst einmal; »Frauen hingegen gelten nach 40–50 Fehlern gleich als Schlampe.« Hallo?! Frauen, die 40–50 Fehler begehen, gelten bei mir zumindest schon als, sagen wir mal, zumindest sehr »professionell«.
Kommen wir zum zweiten Artikel. »Daniel Craig neuer James Bond«, so lautete dir Überschrift. Daneben mehrere fette Fotos. In unseren Augen blankes Entsetzen. Daniel Craig? Der Typ? Als James Bond? Niemals. Meinte auch die Autorin des Artikels. Hier ein paar Auszüge:
Mit seiner harten Miene und seinen brutalen Augen sieht Daniel Craig eher aus wie ein genmanipulierter KGB-Agent.
Was zum Teufel ist ein genmanipulierter KGB-Agent? Naja, egal, zumindest wissen wir jetzt wie die Dinger aussehen und… äh… ja, gib’s ihm!
Dieser Anblick löst bei mir ein starkes Kribbeln aus. Allerdings ganz wo anders, als die bisherigen Bonds.
Holy Shit! Jetzt liegt er aber fast am Boden!
Die Doppel-Null bekommt er von mir, … nicht aber die Lizenz zum Verführen.
K.O. nach drei Runden. Saubere Arbeit.
Flaschenfoto
Auf dem ersten Foto abgebildet; unser Standardessen. Ein wenig Weiß- oder Knäckebrot, Scheibenkäse, Wurstscheiben, Bananen. Der Nährwert ist zu vernachlässigen, der Preis dafür aber auch.
Und dann – dafür schreibe ich das hier eigentlich – das mittlerweile tradionelle Flaschenfoto mit Jonas, wie er aus einer großen Flasche trinkt.
Købnhavn Zoo
Heute sind wir in den Zoo gegangen. Dort gibt es, wie fast jeder weiß, sehr viele exotische Tiere zu sehen. In Kopenhagen tragen diese exotischen Tiere allerdings zusätzlich noch exotische Namen und machen einen Zoobesuch so zusätzlich interessant. Besonders Julian hatte einige persönliche Glücksmomente in Verbindung mit den dänischen Namen der Tiere.
Bären heißen in Dänemark nicht etwa ganz profan »Bär«, sondern – hier musste Julian an einen ehemaligen Klassenkameraden denken – »bjørn«. Dazu gab es noch solch niedliche Namen wie »Fuglefanger« (Vogelfänger). Ein kleines Mädchen hatte sogar extra eine Liste der Tiere gemacht, die sie unbedingt sehen wollte. Diese hielt sie krampfhaft in ihrem kleinen Händchen, wohl behütet wie einen Schatz. Davon existiert natürlich ein Foto, welches Julian in mühevoller google-Kleinstarbeit übersetzt hat.
Eines der tollsten Tiere war der Komoran. Einige Bio-GKler werden wissen, wovon hier die Rede ist. Dieses Tierchen sah mit seiner komischen Frisur ein wenig nach Punk aus und war auch ganz klar der dicke Macker in seinem See – jedenfalls hatten die kleineren Vögel alle gehörig Respekt vor ihm. Anbei zwei Fotos.
Julian, mittlerweile in einem Rausch an kindlicher Begeisterung (ich war halt schon lange nicht mehr im Zoo – Julian), konnte sich an den Tieren kaum satt sehen und ergab sich ob der dänischen Tiernamen in hysterischen Lachanfällen.
Jonas hingegen, ganz der Ökologe, verurteilte die »Haftbedingungen« der Tiere, die in viel zu kleinen Käfigen hausen würden. Julian gab ihm hierbei natürlich recht, freute sich aber trotzdem darüber, dass die Tiere da waren.
Einige Zwischenfälle gab es auch noch, so wurden wir zum Beispiel von einem Krokodil »angebrüllt«, und zwar in Zeitlupe. Die gesamte Brüllaktion dauerte runde zehn Minuten und bestand aus Kopf drehen – anfangen Maul zu öffnen – Maul weiter öffnen – Maul fast ganz öffnen – Maul offen – warten – warten – warten – anfangen, Maul zu schließen – weitermachen, Maul zu schließen – Maul fast ganz zu – Maul zu – Kopf wegdrehen – Tagespensum erfüllt.
Des Weiteren entfloh ein Vogel seinem Nest und wurde von den Besuchermassen fast totgetrampelt und Julian kam einem Schmetterling richtig, aber ich meine wirklich richtig, nahe.
Hübsch war auch der Bär – ich nenne ihn einfach einmal »Bjørn« – der so lieblich lächelnd schlummerte.
Bummeln in der Strøget
Kopenhagens Einkaufsstraße ist lang. Sehr lang sogar. Kein Vergleich zu Bremens Obernstraße. Die »Strøget«, wie diese Luxusallee offiziell heißt, verlangt einiges an Zeit, möchte man sie ganz ablaufen. Das kann dauern. Wenn man mit Jonas normal unterwegs ist, 10–15 Minuten. Falls man ihn zum Bummeln überreden kann, sogar bis zu 30 Minuten. In Kilometern ausgedrückt liegt das also schon im sehr hohen Einserbereich, vielleicht sind es sogar zwei.
An dieser Einkaufsstraße gab es sehr viele tolle Geschäfte und noch viel mehr interessante Menschen. Eines der Geschäfte war Playlife, das mit extrem komischen Logoschriftzug erst nach russicher Edelboutique aussah. Beim dritten Vorbeigehen fiel es mir dann jedoch wie Schuppen von den Augen; die hatten die Buchstaben einfach umgedreht. Fiel erst gar nicht auf. Sah original Russisch aus. Aber so ist es besser, so können sie nicht vom Kreml zerschlage werden und der Besitzer landet nicht in Haft.
Anfangs ist Jonas immer sehr rasant durch die konsumgeile Meute gekurvt, doch irgendwann konnte Julian ihn vom Bummeln überzeugen. Seitdem ist auch Jonas ein erklärter Anhänger des Bummelns. Bummeln hat viele Vorteile. So muss man sich nicht zwischen alten Omas oder Müttern mit extrabreiten Zwillingskinderwägen (davon gab’s in Kopenhagen extrem viele) durchschlengeln. Man ist einfach so langsam, dass man von jeden überholt wird. Dann müssen die um einen herumlaufen. Sehr viel konfortabler.
Des Weiteren hat man noch viel mehr Zeit, den kleinen Kindern in eben diesen nervenden Kinderwagen zuzugrinsen, was diese dann ja immer mit einem zahnlosen Lächeln quittieren. Der Nachteil am Bummeln ist hingegen, dass man öfters von Pennern angesprochen wird. Dann muss man so tun, als ob man kein Englisch spricht, aus Frankreich kommt und kein Geld hat.
In der Einkaufsstraße trafen wir auch auf Stuhr. Stuhr kennt jeder, genau wie Verden ein kleines Dorf in der Nähe von Bremen. Was Stuhr auf deutsch bedeutet, wissen wir allerdings bis heute nicht.
Montag, 17. Oktober 2005
Bei Nacht
Viele Sachen haben wir auch nachts gemacht. Zum Beispiel »Den Lille Havfrue« (die kleine Meerjungfrau) angeschaut. Zwei Mal gleich. Dies geschah jeweils während ausgedehnter Spaziergänge, die meistens bei McDonald’s anfingen, durch die Einkaufsstraße gingen und dann irgendwie durch den Hafen führten. Die Dauer betrug jeweils rund drei Stunden, danach wären wir dann wirklich müde und reif für’s Bett.
Auf diesen Spaziergängen gab es drei denkwürdige Sachen.
Zuerst war da der »Schrecken von Amalienborg Slot«, der ja schon an anderer Stelle beschrieben ist. Hierbei handelte es sich um einen Soldaten, der – zuallererst natürlich sehr scheel war – und uns zudem dermaßen erschreckte, dass wir uns total »verjagten«, wie man hier bei uns in Norddeutschland sagt.
Zum Zweiten war da der Brunnen. Man weiß nicht genau, um welchen es sich handelte; aber: Er sah sehr cool aus. Alles tollstens angestrahlt. Wir haben da auch viele Fotos gemacht; wobei sich doch zeigte, wer von uns beiden die ruhigere Hand hat. Ich möchte keine Namen nennen und sage daher nur, dass dieser mit einem »J« wie »Julian« anfängt. Man könnte allerdings auch sagen, mit einem »J« wie »Jonas«, aber – er hört sich doch ein wenig mehr nach dem »J« im »Julian« an.
Und dann war da natürlich noch »Den Lille Havfrue«. Mit einem Wort: sensationell. Der Mond schien sehr effektvoll durch die Wolken und spiegelte sich genau hinter der Meerjungfrau silbern auf dem Wasser. Die Meerjungfrau selbst wurde angestrahlt. Das hört sich jetzt sehr nach Kitsch an, aber da wir zwei Jungs waren, haben wir diese Atmosphäre natürlich zunichte gemacht. Ein Päärchen machte da gerade Fotos in den tollsten Posen, als wir kamen. Daraufhin gingen sie. Nun, so ist das Leben. Die scheiß Jugendlichen haben ja auch sowas von keine Manieren.
Der Hund von Baskerville
Die ersten Nächte in der Jugendherberge waren sehr schön. Ruhig und so. Es waren außer uns noch eine Chinesin und ein anderer Mensch da, die eigentlich nicht gestört haben. Okay, der andere Mensch kam immer erst morgens um acht, wenn wir aufgestanden sind. Und ein wenig angetrunken war er meistens auch. Damit einher ging ein bisschen Gestank nach Zigarettenrauch und Alkohol. Aber mein Gott, wir waren ja eh grad aufgestanden.
Die Chinesin hat man weder gehört noch gesehen, abends lag da nur ein undefinierbares Etwas unter der Bettdecke und morgens war sie schneller weg, als man die Äuglein aufblinzeln konnte. Vorbildliches Verhalten. Die Kommunisten wissen halt, wie man sich mit mehreren Leuten einen Raum teilt.
Dann aber, am Sonntag, gingen die Chinesin und der andere. Der Andere sogar zu spät, ein Mitarbeiter der Jugendherberge kam, um ihn »auszuchecken«, während er aufgeregt vor der verschlossenen Toilette herumhopste. Auf der anderen Seite der Tür: Julian, sich rasierend.
Abends kam Ersatz in Form von zwei deutschen Bauarbeitern Zimmerleuten, die in Dänemark »3000 Euro aufwärts« verdienten, während man in Deutschland gerade mal 1500 kriegt. So weit, so gut. Doch die folgende Nacht wurde die schlimmste in Julians Leben, da der eine Bauarbeiter – neben seinem Alkoholproblem – schnarchte wie der Hund von Baskerville.
Dieser ist, wie eifrige Leser der Abenteuer von Sherlock Holmes vielleicht wissen, ein brutales Monster. Das sich auch anhört, wie ein brutales Monster. Der schnarchende Bauarbeiter Zimmermann hörte sich an wie ein brutales Monster mit Monster Stimmorgan. Das hatte nichts mehr mit Schnarchen zu tun, da haben sich seine Nase und die Luft um ihn herum einen erbitterten Krieg geliefert.
Doch das war nicht alles; der – ich erlaube mir jetzt einfach mal, ihn von nun an so zu nennen – »Hund von Baskerville« fluchte im Schlaf. Und zwar laut. Sogar so laut, dass man um ein Uhr nachts davon aufwachte und sich fragte, wer zum Teufel noch mal da denn so schrie. Daraufhin konnte man auch nicht wieder in den Schlaf zurücksinken – zumindest Julian nicht. Der blieb dank des Schnarchens die ganze Nacht wach und schlief punktgenau dann ein, als der Hund von Baskerville das Zimmer verließ – um sieben Uhr morgens.
Københavns Bymuseet
Nachdem wir am Sonntag zu spät am Bymuseum (Stadtmuseum) angekommen waren, entschieden wir uns, es einfach am darauffolgenden Tag noch einmal zu versuchen.
Anfangs schauten wir uns noch alle Exponate sehr genau an und lasen auch ausführlich die dazu gehörigende Schrifttafeln. Kurze Zeit später erreichten wir einen Raum, in dem eine Dia-Show über Kopenhagens Geschichte gezeigt wurde. Da wir schon so viel Information aufgenommen hatten, ließen wir uns nicht davon stören, dass die halbstündige Show auf dänisch war; wir wollten uns einfach nur die Bilder anschauen. Dieses einfache Anschauen der Bilder aber führte bei uns, die wir sowieso schon sehr erschöpft waren, eher zur Ermüdung. Das hatte zur Folge, dass wir am Ende der Show kaum mehr aufstehen konnten und erst recht keine Schriftafeln mehr lesen konnten und wollten. Eine Tafel lasen wir dann doch noch, auf der erfuhren wir dann, dass nun die Dia-Show auf englisch folgte. Well, shit happens!
Wir schlenderten also so an den Exponaten vorbei, die Gebäude, Schmuckstücke und viele andere, mit Kopenhagen in Zusammenhang zu bringende Dinge zeigten. Erst eine Sonderausstellung über Hans Christian Andersen konnte sich wieder unserer vollen Aufmerksam erfreuen. Seine Geschichten, die in Auszügen zu hören waren, lockerten die ganze Angelegenheit auch etwas auf.
Die restlichen zwei Stockwerke des Museums betrachten wir wieder nur sehr oberflächlich, weil wir wahrscheinlich schon etwas zu sehr mit Informationen zugeschüttet waren.
Toll war dann noch die Freiluft-Modellstadt, die – wer hätte es gedacht – das Kopenhagen des 16. Jahrhundert zeigt. Die nutzten wir dann auch gleich zu einem ausgiebigen Fotoshooting.
Runder Turm
Der Runde Turm ist ein, an eine Kirche gebautes, Gebäude in der Kopenhagener Innenstadt. Dieser Turm zeichnet sich daduch aus, dass er nicht etwa viele Treppenstufen hat, die zu seiner Aussichtsplattform führen, sondern eine ziemlich lange Rampe. Es gibt Gerüchte, dass vor langer Zeit ein Zar mit seiner Kutsche eben diese Rampe herraufgefahren ist. Anfang des 20. Jahrhunderts hat es dann definitiv jemand per Auto geschafft. Da wir weder Kutsche noch Auto zur Hand hatten, konnten wir diese Möglichkeiten leider nicht überprüfen und mussten wohl unsere sowieso schon stark belasteten Beine noch mehr beanspruchen.
Bevor dies soweit kommen konnte, mussten wir uns allerdings des Eises entledigen, welches sich Julian erst kurz zu vor noch besorgt hatte – die Kartenverkäuferin verstand da keinen Spaß. Julian, der unbedingt mal eines der berühmten dänischen Softice essen wollte, mochte dieses jedoch nicht, weil er sich irrtümlicher Weise irgendwelche Lakritzstreusel (Vermutung) anstatt Schokostreusel auf das Softice hatte geben lassen. Jonas der erst ein schlechtes Gewissen hatte, das Eis einfach so wegzuschmeißen war ihm deshalb behilflich. Als das alles jedoch zu lange dauerte und der sowieso schon frierende Jonas lieber nicht noch mehr Eis essen wollte, wurde die Eistüte dann doch weggeschmissen um Einlass in den essensfreien Turm zu erlangen.
So konnte Julian endlich die Karten kaufen. Da er die Verkäuferin nun schon zum zweiten Mal ansprach, hätte er fast »Hello again« von Howard Carpendale gesungen, ließ es dann aber glücklicherweise doch bleiben und begnügte sich mit einem »Good evening«.
Oben auf dem Turm angekommen, bot sich ein wirklich schöner Rundblick auf Kopenhagen, der jedoch schon bald von herangeeilten Bälgern Kindern geschmälert wurde. Wir waren uns nicht sicher, ob wir die Kinder erschrecken sollten. Als wir dann jedoch die Eltern herannahen hörten, entschieden wir uns um und verließen den Turm.
Das Kastell
Als wir das erste Mal das Kastell aufsuchten, war es schon stockfinster. Wir wollten gerade die erste Holzbrücke überqueren, als wir eine dunkle Gestalt in unsere Richtung kommen sahen. Als diese Gestalt plötzlich und ruckartig eine Taschenlampe hervorholte und damit vermutlich auf eine Landkarte leuchtete, mussten wir feststellen, dass diese Gestalt eine Waffe auf dem Rücken trug und Tarnkleidung anhatte.
Da wir geört hatten, dass das Kastell noch teilweise als Kaserne genutzt wird, blickten wir in unseren Reiseführer um sicher zu gehen, nicht erschossen zu werden. Weil dort stand, dass das Kastell nur bis Einbruch der Dunkelheit zu besichtigen sei, entschieden wir am nächsten Tag wieder zu kommen.
Gesagt, getan. Das war’s dann aber auch so ziemlich. Außer ein paar alten Häusern, einem Paradeplatz und mehreren Katzen gab es nicht viel zu sehen. Wir nutzten die Gelegenheit dennoch am Paradeplatz eine unserer beliebten Kekspausen einzulegen.
Too Bøfsandwicher
Als Jonas es gegen Ende der Reise leid war im McDonalds auf englisch zu bestellen, nahm er den Reiseführer zur Hand und bastelte sich einen netten – aus zwei Wörtern bestehenden – dänischen Ausspruch zusammen. Während der Wartezeit in der Schlange probte und probte und probte Jonas, bis er in seinen Augen eine bestmögliche Performance abliefern konnte. Top motiviert stand er nun Angesicht zu Angesicht mit dem Mitarbeiter von McDonalds.
Perfekt vorbereitet ließ er folgendes verlauten: »Too Bøfsandwicher!«. Als daraufhin die Bedienung auf dänisch antwortete, um vermutlich rauszubekommen, ob Jonas noch mehr zu Essen haben wollte, war dieser völlig perplex und sagte auf deutsch: »alles« und machte eine unmissverständliche Handbewegung.
Der Mitarbeiter von McDonalds hollte daraufhin die zwei Bøfsandwiches und sagte Jonas, wieviel er zu zahlen hatte und wünschte ihm noch einen schönen Tag. Zu Jonas’ Bedauern allerdings im perfekten Deutsch.
Jonas sollte aber noch seine Chance bekommen. Kurz vor unserer Abreise bestellte er wieder zwei Bøfsandwiches. Dieses Mal war in dem McDonalds sehr viel los und Bøfsandwiches rar. Also fragte der Angestellte von McDonalds auf dänisch, ob sich Jonas auch mit einem Bøfsandwich und einem Cheeseburger zufrieden geben würde.
Diesmal schaltete Jonas schnell genug und vermochte eine Antwort auf englisch abzugeben, welche den Mitarbeiter von McDonalds sehr überaschte. So konnte Jonas, in dem Wissen zwei halbe Unterhaltungen auf dänisch gehabt zu haben, Dänemark glücklich verlassen.
Dienstag, 18. Oktober 2005
Ali was here
Grad eben gingen wir an einer Bank vorbei. Eine zum Hinsetzen, meine ich. Dort stand geschrieben »Ali was here«. Da ich ja Fan von solch geistigen Sprüchen mit generischen Namen – und strikt gegen Sachbeschädigung – bin, habe ich selbstverständlich sofort angehalten, um den Tatbestand abzulichten.
Da geschah es, dass eine junge, blone Dänin Spaziergängerin um die Ecke geschlendert kam. Zuerst sah sie mich. Was hat sie wohl gedacht? Vielleicht »Welcher Idiot fotografiert eine leere Bank?!«?
Dann kam sie ein Stückchen weiter um die Ecke und sah Jonas. Was muss sie da erst gedacht haben? Eventuell »Welcher Vollidiot fotografiert einen Idioten, der eine leere Bank fotografiert?!«?
Man weiß es nicht. Man war auch zu feige zum Fragen.
Auf der Suche nach Briefmarken
Nachdem Jonas geschickter Weise, trotz mehrmaliger Nachfrage des Verkäufers, vier Briefmarken für Europa gekauft hatte, obwohl er zwei dieser vier für den Versand nach Australien vorgesehen hatte, sah er sich wenige Tage später genötigt noch, einmal auf Briefmarkensuche zu gehen,
Jonas’ Suche begann damit, dass er sich, jedes Mal nachdem wir schon eine Weile an einem Kiosk vorbei waren, daran erinnerte noch Briefmarken kaufen zu müssen. Dies ärgerte ihn dann allerdings irgendwann so sehr, dass er beim Passieren eine Souvenirladens noch gerade daran dachte einmal nachzufragen. Die Verkäuferin kam gerade in seine Richtung und sah schon etwas genervt aus; Jonas ahnte nichts Gutes. Er selbst war auch nicht bester Stimmung weil er sich gerade erst von einem Gardesoldaten beim Amalienborg Slot hatte anmachen lassen müssen. Die Frage nach Briefmarken stand schon mal unter keinem guten Stern. Die Anwort dann auch nicht. »Wir verkaufen die Briefmarken nur zusammen mit einer Postkarte«, in einem recht unfreundlichen Ton.
Jonas dachte sich na gut, mir geht’s Sch…. und die Verkäuferin hat auch einen schlechten Tag erwischt, also belassen wir es einfach dabei und behelligen sie nicht weiter. Deshalb suchte Jonas dann auch gleich, einen neuen Versuch wagend, den nahe liegenden Kiosk auf. Er stellte wieder die gleiche Frage nach Briefmarken und bekam auch eine inhaltlich gleiche Antwort. Da war es um Jonas Verständnis für unfreundliche Verkäufer geschehen. Er wünschte dem Kioskbesitzer in einer nicht gerade wenig zynischen Weise »trotzdem noch einen schönen Tag« und verließ den Laden.
Es dauerte eine Weile bis sich Jonas von diesen Rückschlägen erholte, aber zu dem Zeitpunkt als wir in der Innenstadt einen 7eleven (dänische Kioskkette) erreichten, konnte er sich noch einmal zu einem Versuch aufraffen. Diesmal schien alles besser zu laufen, er brauchte nicht darauf zu warten, dass die Verkäufer erst zu ihm kamen und auch sonst waren sie ganz freundlich. Als die Verkäuferin, dann sogar noch Jonas’ Nachfrage nach Briefmarken bestätigte war er der glücklichste Mensch der Welt. Das sollte sich aber schlagartig ändern, als die Verkäuferin den Zusatz »aber nur im Zehnerpack« verlauten ließ. Am Boden zerstört verließ Jonas den 7eleven.
Jonas schöpfte erst wieder nach eine kleinen Erholungspause in der Jugendherberge neue Kraft, einen letzten Versuch zu unternehmen; diesmal in einer Postfiliale selbst. Hier machte er sich erst einmal darüber lustig, dass man eine Nummer ziehen musste und philosophierte über den Nutzen und die Nachteile eben dieser kleinen Zettelchen in Postfilialen. Julian hatte Glück sich dieses Geschwätz nur halb anhören zu müssen, denn seine Konzentration galt einer »Regnemaskine«.
Bleibt eigentlich nur noch zu erwähnen, dass Jonas am Ende doch noch an seine Briefmarken kam, aber das ist hier ja eher nebensächlich.
Nationalmuseet
Das Nationalmuseum reizte uns besonders, weil die überall in der Stadt zu sehenden Poster über die Spærretid (Ausgangssperre) in Kopenhagen zur Nazizeit unser Interesse geweckt hatte. Naja, und wenn man dann mal etwas über die Geschichte Dänemarks lernen kann, ist das bestimmt auch nicht schlecht.
Als erstes führte uns die Informationsbroschüre des Museums in das prähistorische Dänemark. Da wir aber den Anfang der Austellung nicht fanden, standen wir etwas verloren in der Gegend herum. An dieser Stelle möchte ich die sehr zuvorkommende Museumsmitarbeitern loben, die uns ohne jegliche Aufforderung spontan und im Vorbeigehen den Weg weiste.
Das prähistorische Dänemark hatte einiges zu bieten. Man konnte sehen wie brutal die Leute damals verendeten, welch präzise Werkzeuge sie herstellten und welch eindrucksvollen Bernsteinschmuck sie trugen, aber das wohl interessantes Exponat, war der Sonnenwagen und die Himmelsscheibe von Nebra. Spektakulär waren auch die Bruchstücke eines zwölf Meter langen Wikingerbootes und zwei Hörnern aus reinem Gold. Diese Hörner waren jedoch nicht die Originale, denn diese waren von einem Goldschmied gestohlen worden, der die 7,5 kg Gold weiterverarbeitet und verkauft hatte, bevor er gefasst wurde; wirklich schade um die Hörner.
Ähnlich wie beim Bymuseum waren wir nach einer Weile doch sehr geschafft und so entschieden wir uns die Sonderaustellung über die Spærretid aufzusuchen. Dabei rannten wir eigentlich durch den gesamten Rest des rießigen Museums und kamen dabei auch an der Austellung über Dänemark in der Neuzeit vorbei. Dabei stießen wir auf einige großartige Exponate, aber seht selbst.
Als wir fast das ganze Museum abgelaufen hatten, ging Jonas dann endlich auf Julians Vorschlag ein doch mal nachzufragen, wo denn die Sonderaustellung über die Spærretid zu finden war. Gesagt, getan, gefunden. Eine wirklich interessante Austellung über einen Teil der dänisch-deutschen Geschichte, von Untergrundkämpfer, dänischen Nazis und britischen Bombardements.
Gesucht: Jazzclub / Fast gefunden: Däninnen
Heute am letzten Abend, wollten wir noch mal richtig auf die Pauke hauen. Es kam die Idee auf, einen der gerühmten Kopenhagener Jazzclubs zu besuchen. Jonas, das Orientierungstalent, schaute in seinen patenten Reiseführer und guckte nach, wo man sich denn so situieren könnte. Als er dann meinte, den in Frage kommenden Jazzclub lokalisiert zu haben, ging’s los.
Joa. Gefunden haben wir ihn dann nicht. Auf dem Rückweg allerdngs hätten wir ordentlichst auf die Pauke hauen können. Wir flennten und flanierten durch die Einkaufsstraße, als uns fünf Däninen unseres Alters entgegenkamen. Sie gingen allerdings nicht wie alle anderen an uns vorbei, sondern sprachen uns an. Leider auf Dänisch, so dass sich Jonas – dem Julian völlig unverständlich – zu einem »I’m sorry. We’re just tourists.«, genötigt sah.
Ob es nun das entschuldigende, beinahe selbstverstümmelnde »Sorry« oder das abwertende »just« war – man weiß es nicht. Man wird es auch nie erfahren, denn uns wurde schlagartig bewusst, dass wir’s verhauen hatten. So machten wir uns daran, weiterzugehen.
Doch der liebe Gott wollte uns noch eine zweite Chance ermöglichen und ließ die Däninen überlegen und tuscheln. Leider taten sie dies zu lange, so dass wir dann doch irgendwie weiterwankten.
Alle beide fanden wir das natürlich schade, hätten wir doch gerne gewusst, was diese freundlichen jungen, PISA-prämierten Damen von uns wollten. Jonas hätte sich, wie er verriet, sogar zum Playboy aufgeschwungen und den Damen eine Runde geschmissen. Was das für neue Seiten an ihm waren, auf einmal brach das gigoloeske aus ihm heraus.
Der Schrecken von Amalienborg Slot
Das Amalienborg Slot ist wohl einer der gefährlichsten Orte Kopenhagens. Wir wissen wovon wir reden, denn wir sind gleich zweimal nur knapp mit dem Leben davon gekommen.
Das erste Mal gingen wir nachts gemütlich durch eine Botschaftsstraße. In der Ferne zeichnete sich schon ein größerer Platz ab, aber auf Grund der Dunkelheit – und eines bestimmt äußerst tiefsinnigen Gespräches – schenkten wir eben jenem keine besondere Beachtung. Dies änderte sich jedoch schlagartig als wir beide nur knapp einem Herzinfarkt entgingen. Was war passiert? Wir waren an den Rand des Platzes angelangt, an dem, was wir nicht wussten, Gardesoldaten patrolieren. Das bedeutete aber nicht das diese sich ständig bewegen und hatte zur Folge, dass wir uns derartig erschreckten als einer der Soldaten sich plötzlich direkt neben uns drehte.
Als der Schrecken dann verflogen war mussten wir schrecklich lachen und wir konnten uns nicht ganz erklären, wie der wehrte Herr Soldat denn einfach so seine stupide Arbeit weitermachen konnte ohne zu lachen. Also mal ganz ehrlich, wenn man so dumme Touristen erschrickt, die sowieso immer nur abnerven, dann müsste das einen doch zumindestens freuen.
Als wir das Amalienborg Slot das zweite Mal besuchten wurde es schon gefährlicher, denn dieses Mal schaffte es Jonas eine Reaktion eines Soldaten hervorzurufen. Diese war jedoch in keinster weise lustig oder gar freundlich, aber fangen wir besser von vorne an.
Wir schreiben den 18.10.2005, ein wunderschönen sonnigen Nachmittag und Jonas und Julian benötigen dringend noch ein paar Erinnerungsfotos von Kopenhagen. Folglich posiert Julian auf dem Platz des Amalienborg Schlosses vor einer riesigen Kuppel. Um Julian besser fotographieren zu können klettert Jonas über eine wirklich unscheinbare Absperrung, eine ganz ganz niedrige Kette, die um eine Reiterstatue in der Mitte des Platzes angebracht ist. Er schießt munter ein zwei Fotos als plötzlich jemand vom anderen Ende des Platzes in seine Richtung brüllt und eine unmissverständliche Handbewegung vollführt. Mann, zum Glück hat der Soldat nicht zur Waffe gegriffen, wer weiß was dann aus uns geworden wäre.
Mittwoch, 19. Oktober 2005
Fahrradfeindlichkeiten
Kopenhagen ist eigentlich eine sehr fahrradfreundliche Stadt. Es gibt dort viel mehr Fahrradfahrer als in jeder deutschen Stadt – relativ gesehen, wohlgemerkt. Man konnte sich sogar Fahrräder leihen, wie man es bei uns mit Einkaufswagen tut; einfach nen Euro reinstecken, fahren, irgendwo anders wieder anstecken – fertig.
Es gab jedoch auch viele Misshandlungen im Bezug auf Fahrräder. So wie auf dem Foto sahen viele abgestellte Fahrräder aus.
Verden
»Bøgernes Verden«, stand an einer Buchhandlung im Bahnhof, wie wir heute, am letzten Tag, bemerkten. Damit auch schon die Entwarnung; dies hier ist keine schlechte Coverversion von »Delmenhorst«. Diese Buchhandlung ist übrigens, um einmal die Werbetrommel zu rühren – es gibt dort überaus freundliches und zuvorkommendes Personal – auch im Internet zu finden.
Verden – das kommt einem, wenn man in Bremen wohnt, irgendwie bekannt vor. Für alle die, die nicht das Glück haben, hier zu wohnen: Verden ist ein kleines Kaff eine kleine Stadt ganz in der Nähe von Bremen. Quasi direkt vor den Toren. Teilweise sogar von einigen Toren bewohnt. Aber das ist eine andere Geschichte.
Wir beide saßen auf einer Bank, dieser Buchhandlung gegenüber. Links neben uns eine chinesisch wirkende Reisende, rechts eine dänische Mutter mit zwei Kindern. Die Chinesin hätte es wohl eher nicht gewusst. Sie brauchten wir gar nicht fragen, was »Verden« bedeutet.
Die Mutter war, wie gesagt, mit ihren beiden Kindern da. Wir überlegten (auf deutsch) sie zu fragen (auf englisch), doch mit unserem Mut war es nicht weit her. Also hat Julian gesagt »Tja. Dann frag ich halt direkt in der Buchhandlung.« Man sieht also, er gewinnt immer mehr an Selbstvertrauen. Tja, was soll man sagen – gesagt, getan.
Ich (Julian) schlenderte also – meine angeborene, deutsche Lässigkeit zur Schau stellend – federnden Schrittes zur Buchhandlung. Dort brauchte ich erst mal eine Weile, um die Verkäuferin ausfindig zu machen. Sie arbeitete gerade. Kann man eine arbeitende, unschuldige Frau fragen, was »Verden« bedeutet? Ja, ich denke, das darf man.
»Excuse me. May I ask you a question?«, war meine Frage. Man beachte die Frage, ob ich eine Fragen fragen darf. Freundlich, mit einer fast schon undeutschen, antipatriotischen Höflichkeit vorgetragen. Okay, im Nachhinein ärgere ich mich, keine »Excuse me. Are you busy?«, vorgeschoben zu haben. Das wäre noch einen Tick Herkunfts verneinender gewesen. Aber gut, es ging auch so.
Die Verkäuferin war nämlich glücklich, von mir angesprochen zu werden. Ist ja auch verständlich, ein junger, sympathischer Bursche, von einem exotischen – hey, ich komme aus Deutschland… das liegt, von Dänemark aus gesehen, tief im Süden – Hauch umweht. Da freut man sich. Und wenn man dadurch ein paar Minuten lang keine Bücher mehr einsortieren muss, dann erst recht.
»Yes, of course.«, so die freundliche Antwort. Wundervoll. Der erste Schritt war gemacht. Ich hatte mich tatsächlich getraut und eine Frau, um die 30 – also im besten Alter – angesprochen. Woody Allen hat recht. 80 Prozent des Erfolges besteht einfach aus »hingehen«.
»Great. Well, I just wanted to know what ›Verden‹ means.« Kann man das so sagen? Falle ich da nicht mit der Tür ins Haus? »I’m Sorry? Verden?«, die Antwort. Oha. Zum Glück fiel mir rechtzeitig mein Fehler auf. Na, lieber Leser, auch gemerkt? Richtig, ich hatte Verden deutsch ausgesprochen. Also ein zweiter Versuch.
»Oh, well, that word in the name of you store…« – »Ah, I see!« – »Because, well – I’m from Germany, and I happen to live in a town called ›Verden‹.«
So. Eine Lüge. Wobei… eigentlich ist es nur ein wenig geflunkert. Verden ist ja wirklich, wirklich, ganz ganz nah dran. Ich war schon öfter da. Und es vereinfachte die Sache doch ungemein. Ich habe wirklich kein schlechtes Gewissen.
»The name of our store means ›World of books‹.« – »Great, thanks, goodbye then!« Das ist ein Satz, über den ich ein wenig traurig bin. Die Verabschiedung hätte besser laufen können. Aber eigentlich ging’s ja ganz gut.