Julian Stahnke · Reisetagebuch Kopenhagen

Hier schreiben Jonas und ich über unsere Erlebnisse in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Wir sind dort sechs Tage, vom 14.10. bis zum 19.10.2005.

Montag, 17. Oktober 2005

Der Hund von Baskerville

Die ersten Nächte in der Jugendherberge waren sehr schön. Ruhig und so. Es waren außer uns noch eine Chinesin und ein anderer Mensch da, die eigentlich nicht gestört haben. Okay, der andere Mensch kam immer erst morgens um acht, wenn wir aufgestanden sind. Und ein wenig angetrunken war er meistens auch. Damit einher ging ein bisschen Gestank nach Zigarettenrauch und Alkohol. Aber mein Gott, wir waren ja eh grad aufgestanden.

Die Chinesin hat man weder gehört noch gesehen, abends lag da nur ein undefinierbares Etwas unter der Bettdecke und morgens war sie schneller weg, als man die Äuglein aufblinzeln konnte. Vorbildliches Verhalten. Die Kommunisten wissen halt, wie man sich mit mehreren Leuten einen Raum teilt.

Dann aber, am Sonntag, gingen die Chinesin und der andere. Der Andere sogar zu spät, ein Mitarbeiter der Jugendherberge kam, um ihn »auszuchecken«, während er aufgeregt vor der verschlossenen Toilette herumhopste. Auf der anderen Seite der Tür: Julian, sich rasierend.

Abends kam Ersatz in Form von zwei deutschen Bauarbeitern Zimmerleuten, die in Dänemark »3000 Euro aufwärts« verdienten, während man in Deutschland gerade mal 1500 kriegt. So weit, so gut. Doch die folgende Nacht wurde die schlimmste in Julians Leben, da der eine Bauarbeiter – neben seinem Alkoholproblem – schnarchte wie der Hund von Baskerville.

Dieser ist, wie eifrige Leser der Abenteuer von Sherlock Holmes vielleicht wissen, ein brutales Monster. Das sich auch anhört, wie ein brutales Monster. Der schnarchende Bauarbeiter Zimmermann hörte sich an wie ein brutales Monster mit Monster Stimmorgan. Das hatte nichts mehr mit Schnarchen zu tun, da haben sich seine Nase und die Luft um ihn herum einen erbitterten Krieg geliefert.

Doch das war nicht alles; der – ich erlaube mir jetzt einfach mal, ihn von nun an so zu nennen – »Hund von Baskerville« fluchte im Schlaf. Und zwar laut. Sogar so laut, dass man um ein Uhr nachts davon aufwachte und sich fragte, wer zum Teufel noch mal da denn so schrie. Daraufhin konnte man auch nicht wieder in den Schlaf zurücksinken – zumindest Julian nicht. Der blieb dank des Schnarchens die ganze Nacht wach und schlief punktgenau dann ein, als der Hund von Baskerville das Zimmer verließ – um sieben Uhr morgens.