Hier schreiben Jonas und ich über unsere Erlebnisse in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Wir sind dort sechs Tage, vom 14.10. bis zum 19.10.2005.
Freitag, 14. Oktober 2005
Kulturnatten – Jagd auf das schwarze Männchen
An unseren ersten Abend in Kopenhagen hatten wir gleich volles Programm. Das war dann also nichts mit ruhig ankommen und so. Wir hatten von der jährlich stattfindenden Kulturveranstaltung im Vorfeld gehört und uns deswegen entschlossen sie mitzunehmen. Dass es die Kulturnatten gab und dass so ein kleines lustig aussehendes Männchens deren Symbol ist, war dann aber auch so ziemlich das Einzige, was wir wussten. Schon bei unsere Ankunft am Kopenhagener Hauptbahnhof trafen wir die ersten Leute die mit zu einer Pappaufmache des eben erwähnten Männchens herumliefen.
Wir entschlossen uns, nachdem wir unser Gepäck in der Jugendherge untergebracht hatten, jagt auf dieses niedliche kleine Männchen zu machen. Wir irrten ersteinmal eine ganze Weile in einer uns völlig unbekannten Stadt umher, bis Julian das Männchen auf einem Plakat in einer Buchhandlung wiedererkannte; wir stürmten sofort hinein, in der Hoffnung dort das Männchen zu erwischen. Noch etwas verschüchtert fragte Jonas die Verkäuferin nach einer englischen Informationsbroschüre, aber sie konnte uns nicht helfen. Also blieb uns nichts anderes übrig als weiter in der Innenstadt dem Männchen aufzulauern.
Wir irrten umher und waren völlig verloren, bis wir ans Christiansborg Slot kamen. Dort wollten wir uns einfach in eine Veranstaltung einschleichen, aber das Wachpersonal ertappte uns und machte uns darauf aufmerksam, dass wir erst ein schwarzes Männchen zu fangen hätten bevor sie uns Einlass gewähren könnten. Es war aber so freundlich uns zu erzählen, wo vor kurzem noch eine Vielzahl der Männchen gesichtet worden war.
An dem Ort innerhalb des Christiansborg Slots, an den wir verwiesen wurden, waren aber auch keine kleinen, niedlichen schwarzen Männchen zu finden. Also fragte diesmal Julian nach und zwar auf deutsch, vielleicht hätten wir damit ja mehr Erfolg. Ein äußerst freundliche Herr gab uns den nächsten Tipp. Er hatte erst vor kurzem von einer ganzen Herde gehört, die sich im Thorvaldens Museet aufhalten sollte. Es ging vorbei an ewig langen gefährlich anmuten Schlangen, Menschenschlangen, und durch Rauch ausstoßende Wälder. Aber wir schafften es gerade so und erreichten das Museum. Ein ganze Schaar schwarzer Männchen hockte direkt hinter dem Eingang und hätten wir nicht aufgepasst, wären wir beinahe vom Jäger zum Gejagten geworden. Die blonde Dame freundliche Dame die gleich neben dem Museumseingang hinter den Männchen saß, war dann aber auch prompt bereit uns passieren zu lassen. Das Museum selbst war dann aber nicht so spannend; außer doppelt vorhandenen Statuen und eine paar schönen Decken gab es nicht viel zu sehen.
Nach einer weiteren Irrtour durch die Innenstadt Kopenhagens, entschieden wir uns unsere Informationsbroschüre über die Kulturnatten zu verwenden und etwas heraus zu suchen, was uns interessant erschien: Das Rehabilations- und Forschungszentrum für Folteropfer. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass die ganze Veranstaltung für Menschen, die der dänischen Sprache nicht mächtig sind, leider nicht ganz so geeignet war. Wir taten also so, als hörten wir dem Vortrag einer blonden Mitarbeiterin Mitarbeiterin auf dänisch zu, lasen dabei aber in Wirklichkeit eine Informationsbroschüre auf englisch über amerikanische Foltermethodik im Zusammenhang mit dem Antiterroreinsatz in Afghanistan und Irak.
Da Jonas jedoch nicht auf weitere Informationen über die Institution verzichten wollte, fragte er noch eine blonde Angestellte Angestellte aus. In der Zwischenzeit wurde Julian gefragt, wie ihm der Vortrag auf dänisch gefallen hatte, den er vorzeitig verlassen hatte. Da er selbst diese Frage kaum verstand, war er sehr perplex und ging einfach weiter, voraufhin ihn die Mitarbeiterin etwas sehr verächtlich anschaute, als ob Julian kein Mitgefühl für die Folteropfer hätte.
Da wir uns etwas verloren vorkamen verließen wir die Institution und wollten auf gut Glück die erste Einrichtung in der Innenstadt besichtigen, die an der Kulturnatten teilnahm. Es traf das Postmuseum. Eine kulturell gesehen nicht unbedingt sehr hoch anzusiedelnde Entscheidung, aber wir bekamen die Möglichkeit etwas im Internt zu surfen und eine heiße Schokolade hoch über den Dächern Kopenhagens zu trinken.
Zum Abschluss unserer persönlichen Kulturnatten gingen wir noch in das, der Jugendherberge nahe gelegenen, Danish Design Center. Dort wollten wir uns noch den Film »Why Man Creates« anschauen, da er allerdings schon lief, besorgten wir uns einen Drink bei einer blonden Barkeeperin Servicepersonalfachkraft Studentin und schauten uns ein wenig um. Als der Film dann zu Ende war und wir uns gerade zur nächste Vorstellung in den Saal einfinden wollten, mussten wir feststellen, dass wir leider die letzte Vorstellung verpasst hatten. Da blieb uns wohl nichts anderes, als zur Jugendherberge zu gehen.
Die kleinen schwarzen Männchen haben wir natürlich behalten und dafür gesorgt, dass sie sich nicht so alleine fühlen müssen. Im Bymuseet trafen wir nämlich noch eine ganze Meute von noch kleineren orangenen Männchen an. Wir konnten in deren Besitz kommen, als wir die nette, blonde Studentin Eintrittskartenverkäuferin von ihre Hauptbeschäftigung, dem Solitairspielen, abbringen konnten und sie überredeten uns doch bei der Jagd behilflich zu sein.